Was passiert in Rom?
Jedenfalls ist mit dem Bischof auch der "Fall Limburg" in Italien angekommen: "Falschaussage und Verschwendung" schrieb die Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera". Mit "Revolte gegen den Luxus-Bischof" übertitelte die römische "La Repubblica" ihren Artikel zu den Vorgängen in Deutschland. "Die katholische Kirche in Deutschland ist ziemlich einmalig und Dinge wie eine Badewanne für 15.000 Euro sind im Ausland nicht vermittelbar", sagt der Jesuit Bernd Hagenkord, Leiter der deutschsprachigen Redaktion von "Radio Vatikan", gegenüber katholisch.de.
Obgleich es mehr als 5.000 Bischöfe auf der Welt gebe, sei es "recht außergewöhnlich, dass ein Oberhirte in schwieriger Lage nach Rom kommt", so Hagenkord. "Es gibt verschiedene Formen, mit Problemen umzugehen", sagt er und verweist auf die Absetzung zweier slowenischer Erzbischöfe, die dem Erzbistum Maribor nach riskanten Spekulationsgeschäften 800 Millionen Euro Schulden beschert haben sollen. Der Jesuitenpater ist der Meinung, dass Tebartz-van Elst Franziskus seinen Rücktritt anbieten will. So habe er jedenfalls die Aussage verstanden, nach der der Limburger Bischof seine Zukunft in die Hände des Papstes lege, sagt Hagenkord.
"Was will er in Rom?"
Sein Kollege vom Bayerischen Rundfunk, Tilmann Kleinjung, hat daran Zweifel und meint, dass der Limburger Bischof noch nicht so weit sei. "Was will er in Rom? Die Geschichte betrifft sein Bistum und nicht den Vatikan", sagt er gegenüber katholisch.de. Tebartz-van Elst reise – anders als Zollitsch – nicht wegen terminlicher Verpflichtungen in den Vatikan. In einem Radio-Beitrag verweist Kleinjung darauf, dass der Bischof als gut vernetzt im Vatikan gelte und in den letzten Jahren häufiger als andere deutsche Oberhirten Rom besuchte. Erst am Freitagabend hatte Erzbischof Gerhard Ludwig Müller Tebartz-van Elst in einer Predigt als Opfer einer "Medienkampagne" bezeichnet. Als Präfekt der mächtigen Glaubenskongregation trifft Müller Papst Franziskus jeden Freitag.
Beide Vatikanjournalisten wissen nicht, wann – und ob überhaupt – Tebartz-van Elst zum Papst vorgelassen wird. Zunächst werde sich der umstrittene Bischof wohl mit dem zuständigen Fachgremium - der Bischofskongregation – beraten. "Von da aus wird sich dann womöglich alles Weitere entwickeln", sagt Hagenkord. Der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Zollitsch, hat hingegen am Donnerstag eine Audienz beim Papst. Er ist im Rahmen von Beratungen des Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung in Rom und wird sich wohl vom Papst verabschieden, bevor er im Frühjahr den Vorsitz abgibt.
Zollitsch will mit Papst über Limburg reden
Seine Zeit in Rom will Zollitsch nach eigener Aussage "natürlich" auch zu einigen Gesprächen über die Causa Limburg nutzen, "um zur Klärung beizutragen". Er habe dem Vatikan bereits Informationen zukommen lassen, sagte er am Montag vor Journalisten. Ob der Papst diese zur Kenntnis genommen habe, wisse er allerdings nicht, so der Erzbischof. Er merkte an, "dass wir eine sachliche Klärung brauchen und nicht durch einen Schnellschuss am Ende auch wieder neue Fehler machen". Zugleich forderte er Tebartz-van Elst auf, zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen mit der "gebührenden Sachlichkeit und Selbstkritik" Stellung zu nehmen.
In Rom werden nun mehrere Optionen für die nächsten Tage gehandelt: Entweder bietet der Limburger Bischof dem Papst seinen Amtsverzicht von selbst an oder der Papst fordert ihn auf, dies zu tun. Denn die Absetzung eines Ortsbischofs ist auch dem Papst - so schreibt es das Kirchenrecht vor - nur in schwerwiegenden Ausnahmefällen erlaubt; etwa bei Heirat oder Verbreitung von Irrlehren. Vorstellbar ist laut Hagenkord aber auch die Einsetzung eines Koadjutors in Limburg, der dem Bischof zur Seite gestellt wird und die Amtsgeschäfte übernimmt. Eine weitere Alternative wäre eine apostolische Visitation, also eine vom Papst eingesetzte Untersuchungskommission.
Was der Limburger Bischof am Montag in Rom tat, ist nicht bekannt. Auf der offiziellen Liste der Audienzen stand er jedenfalls nicht. Doch traf Franziskus laut vatikanischem Bulletin einen anderen Bischof, dessen Finanzgebaren für Ärger sorgt. Der Oberhirte der brasilianischen Diözese Crato, Fernando Panico, soll mehrere Immobilien weit unter Marktwert und unter Missachtung eines Vorkaufsrechts der Bewohner veräußert haben. Pancia weist die Vorwürfe allerdings zurück.
Von Agathe Lukassek
Hintergrund: Tebartz-van Elst doch bereits in RomDiskussion: Zeit für andere FragenDer Auslöser: Diözesanes Zentrum teurer als geplant