Weihnachtssingen XXL
Die Musiker werden unten auf dem Rasenplatz stehen, wo normalerweise die Kicker des Traditionsclubs Alemannia Aachen kämpfen. Auf den Rängen werden Tausende Aachener stehen, in einer Hand ihre Kerze halten, in der anderen das Liederheft und singen.
Am Sonntagabend findet das dritte Weihnachtssingen auf dem Aachener Tivoli statt. Die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen und die Interessengemeinschaft der Fans der Alemannia haben dazu eingeladen. Vor zwei Jahren waren es 5500 Sänger, im vergangenen Jahr 11.500, jetzt wohl aller Voraussicht nach an die 18.000. Bei den jüngsten Spielen des Viertligisten kamen gerade mal so um die 6.000 Fans. Das Weihnachtssingen spreche die Menschen wohl auf ihre tiefsten Sehnsüchte nach Frieden und Geborgenheit an, erklärt der evangelische Pastor und Mitorganisator Siegmar Müller.
Singen ist "einfah überwältigend"
Singen mit so vielen Menschen sei einfach überwältigend, beleuchtet Kulturpsychologin Stefanie Stadler Elmer eine ganz andere Seite: "Beim Singen passiert, was sonst kaum passiert: Dass wir unsere Atmung gemeinsam synchronisieren", sagte Professor Stadler. Man tue nichts anders als zuhören oder mitsingen, es gehe um nichts anderes. "Es ist ein Grundbedürfnis von Menschen, sich einzufügen in ein Kollektiv durch eine gemeinsame Tätigkeit."
Den Anfang des ganz großen Weihnachtssingens im Stadionrund machten die Fans des 1. FC Union Berlin mit einem zuletzt stimmgewaltigen Chor von 27.500 Menschen im Stadion "An der Alten Försterei". Das Weihnachtssingen XXL sei einer Schnapsidee entstanden, wie der Sprecher des Deutschen Chorverbands und Fußballfan Daniel Schalz erzählt: 80 Leute sind demnach nachts über den Zaun geklettert, um im Stadion zu singen. Die Saison war bescheiden gelaufen, und das Jahr sollte mit etwas Schönem enden. Die Fans stellten sich der Schilderung zufolge in den Mittelkreis und sangen Weihnachtslieder. Das sprach sich herum, und immer mehr wollten mit dabei sein. Heute müssen sie Tickets vergeben, weil der Andrang so groß ist.
"Wenn 20.000 Menschen singen, dann hat das eine Wucht"
In Köln ist es sofort ganz groß. Für das erste Weihnachtslieder-Mitsingkonzert, das am Sonntagabend im Rhein-Energie-Stadion stattfindet, mussten die Menschen Tickets kaufen. An die 30.000 wurden verkauft. Statt Kerzen gibt es Tausende Taschenlampen, die von einem Sponsor verteilt werden. Und Promis wurden auch angekündigt, die den richtigen Ton anstimmen sollen: Unter anderem werden BAP-Frontmann Wolfgang Niedecken, die Wise Guys und Henning Krautmacher von der Kölner Musikgruppe Höhner im Stadion des 1. FC Köln erwartet.
"Singen kann jeder, vielleicht nicht jeder gleich gut", sagt der Sprecher des Deutschen Chorverbands, Daniel Schalz. Der Gesang des bunt zusammengewürfelten Chors mag bei weitem nicht perfekt sein, aber: "Das kann Gänsehaut machen. Wenn 20.000 Menschen singen, dann hat das eine Wucht, die einen durchaus beeindrucken kann."
Festliche Gottesdienste an zwei aufeinander folgenden Tagen, die Krippe, der geschmückte Baum und natürlich Geschenke: So aufwendig wie Weihnachten wird kein anderes Fest im Kirchenjahr gefeiert. Das hat natürlich einen Grund.