Welche Konfession haben Ihre Maultaschen?
Fünf kuriose Konfessionsunterschiede hat katholisch.de am Montag vorgestellt. Natürlich gibt es noch viel mehr. Einige davon haben unsere Leser bei Facebook gesammelt.
Nicht nur beim Reden, auch am Singen kann man Schwaben nach Konfession sortieren, jedenfalls an Weihnachten: "Beim Lied 'Zu Bethlehem geboren' singen die Katholiken e-ia mit hellem e, die Protestanten aia im Refrain", berichtet Jörg Eckle.
Unterschiede in der Lautverschiebung
Auch anderswo gibt es konfessionelle Dialektunterschiede, berichtet Rainer Kerssen: "Bei uns im Ort sprechen die Evangelschken Osnabrücker Platt, dem eine Lautverschiebung fehlt, die Katholschken das Münsterländer Platt. 'Heien', 'meien', 'seien' auf evangelischer Seite, 'häien', 'mäien' und 'säien' auf katholischer. Die Reformierten heirateten aus der Grafschaft Tecklenburg, die Katholiken aus der Grafschaft Lingen oder dem Fürstbistum Münster."
Was bedeutet Ökumene? Ein Beitrag der Serie "Katholisch für Anfänger".
Ganz gefehlt hat in der ersten Liste das Kulinarische: "Das schwäbische Leibgericht Maultaschen gibt es in einer evangelischen und einer katholischen Variante", schreibt Margarete Goeser. "Die Protestanten waren sich nicht sicher, ob der Herrgott nicht doch eventuell die Nudelteighülle der konfessionsübergreifenden freitäglichen Herrgottbscheißerle durchschauen würde und haben, um ihn irrezuführen, das Hackfleisch mit einer ordentlichen Portion Spinat grün gefärbt." Bis heute könne man so katholische von evangelischen Metzgern unterscheiden.
Im Allgäu gibt es, berichtet Isolde Rader, freitags den Lutherischen Eierhaber: "Weißwürste klein schneiden, mit Zwiebel anbraten, Rührei drüber, abschmecken und mit Petersilie dekorieren - fertig." Die Geschichte dazu ist im Jahrbuch 2014 zu Lutherdekade zu finden: "Erfunden hatte es eine Wirtin Anfang des 20. Jahrhunderts. Sie hatte am Ende der Woche große Mengen Weißwurst übrig. Da viele Katholiken freitags auf Fleisch verzichteten, briet sie die Wurst in Scheiben an und überbuk sie mit Eiern, bis sie nicht mehr zu sehen war. Den 'Lutherischen Eierhaber' konnten so auch Katholiken guten Gewissens essen."
Bohnen haben kein Bekenntnis, aber was Katholiken und Protestanten in ihnen sehen, kann trotzdem unterschiedlich sein: Die markante braune Zeichnung auf einer Variante der Stangenbohne sehen die einen als Engel, die anderen als Monstranz, und so heißt die Sorte katholisch "Monstranzbohne", evangelisch "Engelsbohne", wie Ludwig Jetschke berichtet. Die Legende dazu erinnert an Zeiten, als Ökumene noch ein Fremdwort war: Im dreißigjährigen Krieg rettete der katholische Pfarrer von Merkershausen in Unterfranken Kelch und Monstranz vor den einfallenden Schweden, indem er sie vergrub. Die darüber gepflanzten Bohnen sollten die Stelle markieren. Merkershausen wurde dem Erdboden gleichgemacht und über Jahrzehnte unbewohnbar, die wertvollen Gegenstände aus der Kirche fand man später wieder: Unter einem Bohnenstrauch, dessen Bohnen eine Monstranz zeigten. In Frankreich, bekanntlich älteste Tochter der katholischen Kirche, heißt die Sorte "Haricot du Saint-Sacrement", "Bohne des heiligen Sakraments" – dort verlegt man die Legende aber in die Zeit der französischen Revolution.
"Alte Fasnet"
Nicht alle Unterschiede sind so ernst: Nach Aschermittwoch noch Fastnacht feiern – wie beim Basler Morgastraich – ist eine evangelische Tradition. Das liegt nicht daran, wie man häufig liest, dass die Protestanten den katholischen gregorianischen Kalender nicht einführen wollten, sondern an der Synode von Benevent. Dort wurden die Sonntage aus der Fastenzeit ausgenommen, und damit verschob sich deren Beginn nach vorne. Die Synode fand zwar schon 1091 statt, hatte aber trotzdem konfessionelle Auswirkungen: In evangelischen Gebieten wurde sie nicht anerkannt und Fastnacht wie früher gefeiert – daher "Alte Fasnet".
Die Ökumene wird immer besser, Katholiken und Protestanten rücken näher zusammen - aber im Alltag gibt es immer wieder auch überraschende Unterschiede, die sich trotz aller Annäherung erhalten haben.