Wenn 2.000 Stimmen "Amen" sagen
Immer wieder unterbricht Beifall die Feier, und auch mit den erbetenen "30 Sekunden Stille" vor Abschluss des Gottesdienstes klappt es erst im zweiten Anlauf. "Es ist einfach etwas ganz besonderes, wenn 2.000 Stimmen gemeinsam 'Amen' sagen", findet Max. Der 15-Jährige hat sich ganz bewusst für die Rom-Wallfahrt entschieden: "Im Jahr vor meiner Firmung wollte ich meinen Glauben stärken und mir alles noch einmal genau vor Augen führen!" Schon Zuhause in der Pfarrei seien alle Ministranten Freunde - aber in einer so großen Gruppe sei das noch mal mehr zu erleben, sagt Vanessa (17). "Man sieht sich, man erkennt sich und wird zu einer großen Familie."
Den Messdienern, die in ihren Dienst in der Heimatgemeinde meist in einer Welt "gestandener Erwachsener" tun, ein "tiefes Glaubens- und Gemeinschaftserlebnis ermöglichen" - das sei das Konzept der Wallfahrt, erklärt Diözesanjugendseelsorger Mike Kolb. Sie sollen sich "von hier motiviert fühlen, Zuhause weiterzumachen". Das Konzept geht auf: Seit der ersten Fahrt 1989 ist die Gruppe der Teilnehmer immer größer geworden. Statt wie anfangs alle vier bis fünf Jahre wallfahren Kölns Messdiener wegen großer Nachfrage inzwischen alle zwei Jahre. "Es wäre dumm", sagt Kolb, "diese Marke aufzugeben."
120 Ministrantengruppen, begleitet von 120 Priestern, Pastoralreferenten und weiteren Begleitern waren am vergangenen Sonntag mit Sonderzügen und Bussen angereist. Mit ihren eigens bedruckten Motto-T-Shirts und blauen Wallfahrtsschals - von denen auch Woelki einen erhalten hat - waren sie selbst im so besucherreichen römischen Stadtbild sichtbar. Am Mittwoch begrüßte Papst Franziskus die Gruppe bei der Generalaudienz auf dem Petersplatz.
Erstmals zusätzlich eine "Jugendmusikwallfahrt"
Erstmals gab es in diesem Jahr zusätzlich eine "Jugendmusikwallfahrt" über Assisi nach Rom. Die rund 100 jungen Sänger und Musiker sind eine kleine Gruppe im Vergleich zu den mehr als 2.000 Ministranten. "Aber ich glaube, wir sollten das wieder tun", sagte einer der Verantwortlichen unter dem Beifall der Jugendlichen. "Die Ministrantenwallfahrt hat schließlich auch klein angefangen."
"Himmelsklänge" lautet das Thema des Gottesdienstes, dessen teils schwungvolle Rhythmen und Klangexperimente manchen Kirchendiener der Papstbasilika auf eine Geduldsprobe stellen. Den Ton der Jugendlichen hingegen trifft Kardinal Woelki. "Ihr seid die auserwählten Heiligen, die Botschafter der Liebe Gottes", ruft er ihnen zu und dankt ihnen für ihr Engagement. Dieses "Wort der Liebe, in der Gott aufscheint", sei heute angesichts von Kriegen, Flüchtlingen und viel Unheil "nötiger denn je, weil wir so die Welt ein Stück menschlicher und gottmenschlicher machen können".
An Selbstbewusstsein für ihre Mission mangelt es den jungen Wallfahrern nicht. Zwischen die dominierenden Messdienergewänder mischen sich T-Shirts mit Aufschriften wie "Uns schickt der Himmel" oder "Es tat übrigens weh, als wir vom Himmel gefallen sind". Und in den Fürbitten heißt es: "Wir bringen uns selbst, denn wir sind der Gesang des Himmels." Die Klänge enden nicht mit dem Gottesdienst. Viele der Jugendlichen bleiben noch lange singend in der Basilika.
"Berührend und bereichernd" sei der lebhafte Gottesdienst und die Gemeinschaft seiner Messdiener gewesen, meint der Kölner Kardinal im Anschluss an die Feier. "Wenn ich diese Jugendlichen sehe, mache ich mir keine Sorgen um die Zukunft der Kirche!"