Wenn Kirche ins Ohr geht
Sehr viel niederschwelliger dagegen sind die journalistischen Angebote der Kirchenredaktionen in den privaten Radiosendern. Sicher ein nicht zu unterschätzender Grund dafür, dass die katholische Kirche in diesem Bereich mehr soziale Milieus in Deutschland erreicht als mit vielen anderen Medienaktivitäten. Das zeigt eine neue Studie des Heidelberger Markt- und Sozialforschungsinstituts "Sinus" im Auftrag der Münchner Medien-Dienstleistungsgesellschaft (MDG). Danach sind Hörer aus fast allen sozialen Milieus trotz einer weitgehend kritischen Grundhaltung gegenüber Religion und der Institution Kirche durchaus offen für religiöse Inhalte im Radio.
Interessant in diesem Zusammenhang: Die Befragten wurden unter anderem gebeten, Titel von Kirchenmagazinen in privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern zu bewerten. Dabei ging für die meisten Titel, in denen das Wort "Kirche" explizit vorkommt - wie "Treffpunkt Kirche" oder "Kirche und Co." -, der Daumen gnadenlos nach unten. Neugierig machten dagegen Titel wie "Gott und Rock", "Diesseits von Eden" oder der Favorit "Augenblick mal". Das auf den ersten Blick ähnlich scheinende "Moment mal" allerdings fiel durch. Es klinge zu sehr nach erhobenem Zeigefinger.
Hörer wollen auch im Radio Transparenz von Kirche
Auch wenn dezidiert kirchliche Titel eher abschrecken, wünschen die Hörer durchweg, dass die Kirche als Absender der journalistischen Beiträge klar erkennbar sein soll. Transparenz wird hier ebenso eingefordert wie in der Kirche insgesamt. Angesichts der jüngsten Debatten mahnen die Befragten über alle Milieugrenzen hinweg zudem zur selbstkritischen Auseinandersetzung mit Themen wie Missbrauch oder Kirchenfinanzen.
Immer wieder gewünscht werden auch eine klare und moderne Alltagssprache und eine mutige, unkonventionelle und unterhaltsame Präsentation. Ebenfalls weit oben auf der Wunschliste ist ein glaubwürdiges authentisches Auftreten, bei dem "ohne moralischen Zeigefinger" das christliche Wertesystem deutlich werden soll. Die Hörer wollen ausdrücklich "keine Beliebigkeit", allerdings wünschen sie sich in der Untersuchung Modernität, Toleranz und Offenheit, auch gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen.
"Natürlich wissen wir, dass die hohen Hörerzahlen noch längst nicht belegen, dass alle auch aufmerksam zuhören", betonte Christian Turrey, einer der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Katholische Kirche im Privatradio (KAPRI) gegenüber der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Und doch sei die neue Erhebung "eine wichtige Bestätigung" für die Arbeit der rund 50 in der KAPRI zusammengeschlossenen Redakteurinnen und Redakteure, die mit ihren Beiträgen und Kirchenmagazinen wöchentlich mehrere Millionen Hörer erreichen.
Kirche im Radio als "riesige Chance" begreifen
"Offenheit für religiöse Inhalte bedeutet sicher nicht unbedingt, dass Hörer ab sofort regelmäßig zur Kirche gehen, wenn ihnen kirchliche Radiobeiträge gefallen", ergänzte Turreys Sprecherkollege Bernhard Tups. Allerdings sollte man es durchaus als "riesige Chance" begreifen, dass Kirche im Privatradio sehr viele Menschen erreichen könne, die ansonsten "niemals auf die Idee kämen, fromme Bücher oder kirchliche Zeitungen und Zeitschriften in die Hand zu nehmen oder kirchliche Internet-Seiten anzuklicken".
Einen spezifischen Kirchensender lehnen die Befragten laut Studie fast einhellig ab. Vielleicht steht auch hier wieder das Etikett "katholische Kirche" im Weg. Ihren gewohnten Sender dagegen, so Tups, "schalten sie nicht ab, nur weil sich ab und zu die Kirche zu Wort meldet".
Von Gottfried Bohl (KNA)