"Wichtige Vorschläge"
Der Familienbund der Katholiken in Bayern lobte einige Vorschläge, die die Oberhirten an den Vatikan schickten. "Es ist positiv, wie die Bischöfe betonen, dass man Ehepaare und Familien als Subjekte wahrnehmen muss, die selbst Familienpastoral leisten", sagte der Landesvorsitzende Johannes Schroeter katholisch.de. Auch der Vorschlag, dass Familien bei den Bischofssynoden in Rom im Herbst und im Jahr 2015 beteiligt werden sollen, sei wichtig. Bayerns Familienbund hatte den Fragebogen des Vatikan im November interaktiv aufbereitet und ins Netz gestellt. Viele Bistümer hatten sich daran orientiert, als sie ihre Gläubigen online befragten.
Bei der Vermittlung der kirchlichen Sexualmoral neue Wege zu suchen
Die Ergebnisse der Umfrage hatte die Deutsche Bischofskonferenz zu Jahresbeginn ausgewertet und am Montag als 20-seitiges Dokument veröffentlicht. Der Fragebogen ist Teil einer vom Vatikan angestoßenen Bestandsaufnahme, die Grundlagen für die Weltbischofssynode liefern soll. In ihrer nun nach Rom übermittelten Auswertung stellen die Bischöfe eine "große Differenz zwischen den Gläubigen und der offiziellen Lehre " der Kirche fest, etwa beim Thema Empfängnisverhütung. Sie schlagen dem Vatikan vor, bei der Vermittlung der kirchlichen Sexualmoral neue Wege zu suchen.
Bereits vor Veröffentlichung der Ergebnisse hatte der Münchner Kardinal Reinhard Marx vor einer Fehlinterpretation der Umfrage gewarnt. Die Menschen lehnten nicht die Kirchenlehre ab, sagte Marx am Sonntagabend im Münchner Liebfrauendom. Sie wollten allerdings von der Kirche hören, dass es für sie einen Neuanfang gebe, wenn ihr Leben nicht den Weg nehme, den sie für sich gewählt hätten. Die Menschen strebten weiterhin Verlässlichkeit in ihren Beziehungen an, betonte der Kardinal. Die Kirche müsse sich aber fragen, ob in ihrer Verkündigung auch das Befreiende ihrer Botschaft zum Ausdruck komme. Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann sprach in seiner Bistumszeitung von einer "Chance, die wir auf allen Ebenen ergreifen müssen".
Chance zur Überwindung der Sprachlosigkeit
Auch die Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) begrüßte am Dienstag die Offenheit, mit der die Bischofskonferenz die Ergebnisse der Umfrage zusammenfassend veröffentlicht hat. Der BDKJ-Bundesvorsitzende Tänzler bezeichnete es als einen "Schatz, dass die Bischöfe hier nichts schön reden oder unter den Tisch fallen lassen". Das Umfrage-Ergebnis zeige eine "riesige Kluft" zwischen der Lebenswirklichkeit und der Lehre der Kirche, sagte er der Nachrichtenagentur KNA.
Dass es den Menschen eben nicht egal sei, was Kirche sage und welche Werte sie vermitteln wolle, werde aus der hohen Beteiligung deutlich. Allein an der Online-Befragung des BDKJ hatten sich 10.000 Menschen beteiligt. "Ich sehe da weder ein Armutszeugnis noch eine Bankrotterklärung", so Tänzler. ZdK-Präsident Glück sieht in der Umfrage und der Veröffentlichung der Ergebnisse "eine große Chance, die interne, durch Verdrängung und Angst vor Sanktionen entstandene Sprachlosigkeit zu überwinden." Damit könne der Kern und der Wert der Orientierung aus dem Glauben für ein gelingendes Leben verständlich und lebensnah vermittelt werden.
Einige Formulierungen werden kritisch gesehen
Kritisch sieht der Bayerische Familienbund, dass die Bischöfe in ihrer Auswertung die Familien "als Zielgruppe der Kirche wahrnehmen und nicht als deren Teil" wahrnähmen. Es werde nur über Religionsunterricht und weitere Angebote geschrieben und nicht über die Glaubensweitergabe in den Familien geschrieben, so Schroeter. Jedoch sei die Glaubensweitergabe durch die Eltern weitaus wirksamer als die der Schulen oder der Jugendgruppen. Neben den Bischöfen sähen auch einige kirchliche Verbände die Familien eher als "Kunden ihrer Pastoral" denn als "aktive Mitarbeiter" der Verkündigung, so der Landesvorsitzende des Familienbunds. Sie vermittelten das Gefühl "Kirche sind nur wir, die mitmachen".
Mit Blick auf die beiden Bischofssynoden rechnet Schroeter nicht damit, dass sie alle Lösungen für die Familienpastoral bringen werden. "Es wird ein neues Konzept entwickelt, das in rund zehn Jahren wieder zur Bewertung ansteht", denn in den Zeiten eines Umbruchs sei auch die Kirche stets auf der Suche und praktiziere ein "learning by doing". Ändern müsse sich auch die Sprache der römischen Lehrschreiben, fordert Schroeter. Bislang richteten sich diese an Insider-Kreise und gingen an der Zielgruppe vorbei. Dies würde auch dem Kurs des Papstes entsprechen. In dem Kapitel über Predigten zeige Franziskus in seinem Schreiben "Evangelii Gaudium ", wie es sein müsste. (mit Material von KNA)
Von Agathe Lukassek