Wieder nur ein Interimspräsident
Ursprünglich sollte der neue Präsident an diesem Donnerstag gewählt werden. Doch vor einer Woche enthüllte der Ingolstädter "Donaukurier" einen unheimlichen Bewerberschwund: Von einer Dreierliste mit Kandidaten, die der Senat unlängst der kirchlichen Trägerstiftung übermittelte, sei nur noch einer übrig, berichtete die Zeitung. Die Uni teilte daraufhin mit, dass die Wahl auf einen unbekannten Termin verschoben werden müsse. Noch Mitte Mai hingegen hatte der Kanzler der Uni, Thomas Kleinert, im Hochschulausschuss des Bayerischen Landtags die Bewerberlage als gut eingeschätzt und sich zuversichtlich gezeigt.
Nach der aktuellen Auskunft des Stiftungsrats vom Mittwoch hatte der Senat dem Träger im Juni satzungsgemäß einen Wahlvorschlag mit zwei Kandidaten vorgelegt. Am 15. Juni habe jedoch einer seine Bewerbung zurückgezogen. "Damit war eine echte Wahl nicht mehr möglich", heißt es in der Mitteilung, mit der die Medienberichte bestätigt wurden.
Führungskrise seit 2008
Zugleich verzichtete die Stiftung auf die Möglichkeit, selbst einen Kandidaten auf die Liste zu setzen. Dies wäre aus Sicht des Trägers nicht geeignet gewesen, "um in der gegenwärtig schwierigen Situation der Katholischen Universität einen von der gesamten Hochschule akzeptierten, von einer breiten Mehrheit getragenen Präsidenten zu finden". Die Stiftung teilte mit, sie "möchte deswegen weder willkürlich einen Kandidaten benennen noch auf bereits früher aus dem Verfahren des Senats ausgeschiedene Bewerber zurückgreifen".
Die Führungskrise begann bereits vor sechs Jahren. 2008 scheiterte die Ernennung des auserwählten Managers und Theologen Ulrich Hemel an der nötigen Zustimmung der katholischen Kirche. Kurz darauf wurde der langjährige Kanzler Gottfried Freiherr von der Heydte zunächst beurlaubt und später unehrenhaft entlassen. Der Grund waren große Zweifel an der Transparenz der hochschulinternen Vorgänge. Bei der erneuten Präsidentenwahl im Jahr drauf sprang dann der gewählte Reinhard Hütter nach Bekanntgabe des Ergebnisses ab - wegen überhöhter materieller Forderungen, hieß es. Anschließend folgten kommissarische Leitungen mit wechselndem Personal.
Vor drei Jahren wurde schließlich der US-Dominikaner und Theologe Richard Schenk als Überraschungskandidat dem Interimspräsidenten Andreas Lob-Hüdepohl vorgezogen. Ein unerwarteter Wahlausgang, mit dem der Hochschulrat seine Unabhängigkeit demonstrierte und die Hoffnung verband, dass bei der Leitung der Uni etwas Ruhe einkehrt. Doch Anfang 2014 erklärte Schenk seinen Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen und der "Chefposten" wurde im April wieder frei.
Trotz Krise erfolgreiche Uni
Doch wie geht es nun weiter? Die Interimslösung für zwei Jahre kann die Stiftung auch ohne Befassung der Hochschulgremien kurzfristig installieren. Damit es danach zur Wahl eines neuen Präsidenten kommt, sind die sieben bayerischen Bistümer mit ihrer Trägerstiftung am Zug. Die Wahlordnung sieht vor, dass ihr Vorschlag an den Hochschulrat mindestens zwei Kandidaten umfasst. Das bedeutet, dass die Stiftung jenseits der Ausschreibung wenigstens einen eigenen Kandidaten ins Spiel bringen muss.
Die KU ist die einzige katholische Universität im deutschen Sprachraum und wird von den sieben bayerischen Diözesen getragen. Sie beschäftigt rund 650 wissenschaftliche und nichtwissenschaftliche Mitarbeiter bei einem Jahresetat von knapp 50 Millionen Euro. Derzeit studieren an den acht Fakultäten etwa 4.800 junge Menschen. Beim bundesweiten Studienqualitätsmonitor schneidet die Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt (KU) seit Jahren weiterhin überdurchschnittlich gut ab. (luk/KNA)