Wolf: Deutsche Veganer missionarischer als Christen
Notker Wolf (76), jüngst emeritierter Abtprimas der Benediktiner weltweit, rät den Deutschen zu mehr Gelassenheit und Humor. "Wir machen alles gründlich, manchmal bis zum Erschrecken", schreibt der bayerische Ordensmann in einem Gastkommentar für die "Bild"-Zeitung (Montag).
Die Italiener bewunderten die deutsche Gründlichkeit; allerdings sei sie ihnen auch "nicht immer ganz geheuer", so Wolf, der als Oberer des Benediktinerordens für 16 Jahre in Rom lebte. So legten etwa deutsche Veganer scheinbar "mehr missionarischen Eifer" an den Tag "als wir Christen".
"Regeln sind wichtig", betonte der Ordensmann; aber sie seien für Menschen gemacht, und die seien schwach. Seine Ordensregel habe die Maßgabe, alles so einzurichten, "dass die Starken finden, wonach sie verlangen, die Schwachen aber nicht davonlaufen". Der Ordensvater der Benediktiner, der heilige Benedikt von Nursia (480-547), habe einem Abt geraten, er solle "den Topf nicht zu gründlich ausscheuern - sonst könnte er zerbrechen".
Gregory Polan als Nachfolger
Der aus dem Unterallgäu stammende Notker Wolf stand seit 2000 dem Benediktinerorden mit weltweit rund 24.000 Ordensmännern und -frauen vor. Am Samstag wurde der US-Amerikaner Gregory Polan (66) zu seinem Nachfolger gewählt. (KNA)
Seine 16 Jahre als Abtprimas der Benediktiner hat Notker Wolf gerockt. Doch es gibt auch die leise Seite an ihm. Nach seinem Abschied von der Ordensspitze hat er noch Pläne, auch musikalischer Natur.