Würzburger Bischof Jung dankt Pfarrei für Aufarbeitungsprozess
Der über ein Jahr dauernde Aufarbeitungsprozess um einen wegen Missbrauchs beschuldigten, 2017 gestorbenen Priester in der unterfränkischen Pfarreiengemeinschaft Höchberg ist abgeschlossen. Beim Gottesdienst am Dienstagabend dankte der Würzburger Bischof Franz Jung laut seiner Pressestelle allen, "die sich mit brennenden Herzen im Prozessteam engagiert haben".
Die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats, Gudrun Walther, betonte, die haupt- und ehrenamtlichem Mitglieder des Teams seien einen oft anstrengenden, für manche auch schmerzlichen Weg gegangen. Nun wolle man innehalten, den Blick nach vorne richten und ein Zeichen der Hoffnung setzen: "Wir setzen uns für eine Kirche ein, in der Achtsamkeit, Respekt und Schutz selbstverständlich sind und die aus ihren Fehlern gelernt hat."
Nachdem das von der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Bistum Würzburg in Auftrag gegebene Gutachten im April 2025 veröffentlicht war, trat das Bistum an die betroffene Pfarreiengemeinschaft heran. Sie informierte diese über die Tatvorwürfe gegen den ehemaligen Pfarrer. Das Bistum hat nach eigenen Angaben spätestens seit 2010 von diesen gewusst. Konsequenzen für den Pfarrer gab es nicht, er blieb im Amt und hatte weiterhin Kontakt zu Jugendlichen. Das Prozessteam arbeitete ab Oktober 2025 in vier Phasen die Geschehnisse auf.
Eingeholt von der Vergangenheit
In seiner Predigt sagte der Bischof: "Wir wurden eingeholt von einer Vergangenheit, die wir gemeinsam anschauen mussten. Wir wurden eingeholt von unguten Erinnerungen. Wir wurden eingeholt vom Versagen der Verantwortungsträger. Wir wurden eingeholt von der Tatsache, dass der Blick für die Betroffenen schlicht fehlte."
Die Kirche sei sich ihrer Sache zu selbstgewiss gewesen und habe sich über jede Kritik erhaben gefühlt, räumte Jung ein. Es sei schweres menschliches Versagen gewesen. Wie so oft habe erst dieses Versagen die Augen für die Abgründe geöffnet, die sich aufgetan hätten.