Würzburger Bischof kündigt "schmerzhafte Vorgänge" an
"Schmerzhafte Vorgänge" kommen dem Würzburger Bischof Franz Jung zufolge auf die Gläubigen zu. "Wenn der Weinstock mehr und bessere Frucht bringen soll, muss er beschnitten werden", sagte der Bischof am Sonntag in Würzburg beim Festakt zum 50-jährigen Bestehen von Diözesanrat und Pfarrgemeinderäten in seiner Diözese. Abzuschneiden seien aufreibende Kompetenzkonflikte zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen und alle Bemühungen um Selbsterhalt, die nur darauf zielten, den Status quo zu zementieren. Verteilungskämpfe um die besten Gottesdienstzeiten und das Geld seien zerstörerisch und spalteten.
"Abzuschneiden sind die seit Jahren überkommenen Agenden der Pfarrgemeinderäte, die immer neu wiederholt werden, auch wenn es immer weniger Menschen anspricht", ergänzte Jung. Es gelte zu überlegen, welche Formate neu entwickelt werden müssten, um andere zu erreichen. Vorstellungen von Universalzuständigkeit erteilte der Bischof eine klare Absage: "Wir überfordern uns." Statt etwas für die Menschen zu tun sei gefragt, etwas mit den Menschen gemeinsam zu machen.
Mehr Synodalität gefordert
Jung betonte, er sei dankbar für alles, was in den Räten seit 50 Jahren geleistet worden sei. Gemeinsam solle man nun überlegen, wie die Kommunikation zwischen den Räten und den übrigen Gläubigen verbessert und wie die Teilhabe von Menschen gestaltet werden könne, die sich nicht dazu in der Lage sähen, in einen Rat zu gehen. Räte seien gerade in schwierigen Zeiten gefordert. "Ich bitte Sie heute, mutig zu sein. Gemeinsam wollen wir alle Dinge beraten. Aber sie müssen dann auch gemeinsam getragen werden, von jedem auf seiner Ebene", sagte der Bischof.
Der Innsbrucker Pastoraltheologe Christian Bauer sprach sich als Festredner für mehr Synodalität aus. Papst Franziskus habe betont, dass der Klerikalismus nicht nur eine Ursache für sexuellen Missbrauch sei. Er erzeuge zudem, "sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, eine Spaltung im Leib der Kirche". In einer postklerikalen Kirche sprächen Räte nicht, weil ihnen der Klerus gönnerhaft das Wort erteile, sondern weil sie eine Stimme hätten, die gehört werden müsse. "Nicht alle müssen dabei immer gemeinsam vorangehen. Aber wir brauchen doch alle immer wieder auch Momente eines synodalen Innehaltens", so Bauer. (KNA)