Würzburger Kirchengericht verbietet Priester Dienstausübung
Das kirchliche Offizialat des Bistums Würzburg hat einem 45-jährigen Priester aufgrund sexuellen Missbrauchs einer Minderjährigen die Ausübung seines priesterlichen Dienstes verboten. Zudem sei die Besoldung des Priesters auf eine reine Grundsicherung reduziert worden, wie das Bistum am Donnerstag mitteilte. Das Urteil wurde demnach schon am Dienstag im Auftrag des römischen Glaubensdikasteriums gesprochen.
Das Richterkollegium sei zur Überzeugung gelangt, dass es zwischen dem Priester und der der damals Minderjährigen von deren 13. Lebensjahr an bis zu ihrer Volljährigkeit wiederholt zu sexuellen Handlungen gekommen war. "Weiter stellten die Kirchenrichter fest, dass dem Opfer von dem Priester noch als Minderjähriger eine volle Intimbeziehung in Aussicht gestellt wurde, sobald sie volljährig wäre. Das ist dann auch so geschehen", heißt es in der Mitteilung. Der verurteilte Priester und der Kirchenanwalt können gegen das Urteil Berufung beim römischen Dikasterium für die Glaubenslehre einlegen.
Bischof Jung bedauert Missbrauch und Leid der Betroffenen
Zuvor hatte das Amtsgericht in Bad Kissingen den 45-Jährigen im August 2020 bereits zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Die Vollstreckung der Strafe wurde auf die Dauer von drei Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Das Amtsgericht sei der Auffassung gewesen, dass keine pädophilen Neigungen beim Täter anzunehmen seien, betonte die Diözese. Außerdem seien schuldmindernde Umstände zu berücksichtigen, die im kirchlichen Verfahren aufgrund einer psychologischen Begutachtung des Priesters untermauert worden seien.
Die Anklage war eine Folge der bundesweiten Missbrauchsstudie der katholischen Kirche (MHG-Studie), die im Herbst 2018 vorgestellt wurde. Danach hatten die sieben bayerischen (Erz-)Bistümer die zugehörigen Akten zur Prüfung an die Staatsanwaltschaften gegeben. Einzig in dem Fall des Priesters aus dem Bistum Würzburg wurde Anklage erhoben.
Der Würzburger Bischof Franz Jung bedauerte laut Mitteilung den schweren Missbrauch und das Leid der Betroffenen. Seitens der Diözese sei der heute 24-jährigen Frau bereits mehrfach Hilfe angeboten worden. Der verurteilte Priester befinde sich derzeit in therapeutischer Begleitung in einer Einrichtung außerhalb des Bistums. (cbr)