"Youcat"-Initiator zu Fundamentalismus-Vorwurf: "Ein starkes Stück"
Der Weltjugendtag (WJT) 2023 war ein junges, vor Vitalität überbordendes Fest des Glaubens, das die kühnsten Erwartungen übertraf. 1,5 Millionen nahmen am Schlussgottesdienst teil. Nun meldet sich Regina Nagel (BVGemRef), um "auf Gefahren durch fundamentalistische Gemeinschaften und Medien beim WJT" hinzuweisen und die WJT-Performance eines bekannten deutschen Jugendverbandes zu würdigen. Regina Nagel: "Wir sind auch noch da – nicht nur die, die auf der Neuevangelisierungwelle schwimmen!"
Nun erinnere ich mich von WJT zu WJT an immer neue Sticheleien eben dieses Jugendverbandes und Boykottversuche, die erst endeten, als andere die Jugendlichen zu Tausenden zum WJT brachten und Begeisterung ernteten. Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und dann fahren sie selber hin ... Und frösteln. Klar! Auch Lissabon war auf missionarische Dynamisierung ausgerichtet. Pointiert gesagt: auf apostolischen Fundamentalismus in christologischer Konzentration. Wer damit fremdelte, musste sich vorkommen wie ein Autofahrer in England: Ein Geisterfahrer? Tausende!
Regina Nagel hat dem YOUCAT unterstellt, er gehöre "fundamentalistischen Richtungen" an. Das ist ein starkes Stück. Der YOUCAT ist ein ordentlich approbiertes, mit päpstlichem Vorwort versehenes, in 60 Sprachen übersetztes, millionenfach verbreitetes Buch, das wie alle sorgsam geprüften kirchlichen Lehrwerke dem Auftrag dient, durch rationale Darlegung der Inhalte "sichere Norm für die Lehre des Glaubens" (Johannes Paul II.) zu sein. Frau Nagel meinte wohl einen anderen Fundamentalismus, als den, einer Kirche anzugehören, die auf dem "Fundament der Apostel und Propheten" mit "Jesus Christus als Eckstein" erbaut ist. Die Schönheit und Lebenskraft des Glaubens kann man nur entdecken, wenn man mit dem Content vertraut ist. Den möchte ich verlässlich von der Kirche hören – und eher nicht von Frau Nagel. Ich halte dafür, dass der KKK – und sein kleiner Bruder YOUCAT – zum Wiederaufbau der Kirche derzeit mehr beiträgt als alle Papiere auf dem deutschen Synodalen Weg.
Der Kommentar läuft außerhalb der katholisch.de-Rubrik "Standpunkt", da Herr Meuser nicht zum festen Autorenteam gehört. Der Text spiegelt ausschließlich die Meinung des Autors wider.