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Es fehle die Gelegenheit, "wirklich sinnvoll mit Frauen zu interagieren"

Zollner: Priesterausbildung ohne Frauen ist "extrem schädlich"

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Hans Zollner ist Leiter des Kinderschutzzentrums an der päpstlichen Universität Gregoriana.
Rom - Hans Zollner kritisiert die traditionelle Priesterausbildung. Seminaristen fehle die Gelegenheit, "wirklich sinnvoll mit Frauen zu interagieren". Zudem müssten sich die Bischofskonferenzen besser vernetzen, um Kinderschutz zu gewährleisten.

Hans Zollner hat den Ausschluss von Frauen bei der Ausbildung von Priestern kritisiert. Die traditionelle, rein männliche Seminarausbildung habe "extrem schädliche Konsequenzen" und müsse geändert werden, sagte Zollner laut dem britischen Magazin "The Tablet" am Mittwoch bei einem Online-Vortrag. Zollner forderte, dass Frauen eine größere Rolle in der Klerikerausbildung spielen.

Frauen sollten demnach als Ratgeberinnen, Lehrerinnen und Ausbilderinnen in die Priesterausbildung eingebunden werden. Dies sei notwendig, damit die männlichen Kleriker ein reiferes und realistischeres Bild von Frauen bekämen. Seminaristen und Ordensmännern fehle die Gelegenheit "wirklich sinnvoll mit Frauen zu interagieren". Zollner betonte, dass die Seminarausbildung helfen müsse, moralische, zwischenmenschliche und sexuelle Reife durch normale Beziehungen zu Familien, zu Frauen und zu Kindern zu erlangen.

Mehr Vernetzung der Bischöfe gefordert

Zollner kritisierte zudem den fehlenden Austausch bewährter Präventionspraktiken zwischen den Bischofskonferenzen. "Erstaunlich ist, dass wir keinen wirklichen Erfahrungs- und Know-how-Transfer haben", beklagte er. "Es ist wirklich tragisch, weil ich gesehen habe, wie Bischofskonferenzen und Ordensleute in einigen europäischen Ländern die gleichen Fehler wiederholten, die in den Nachbarländern gemacht wurden." Die jüngsten Missbrauchsberichte aus Europa zeigten, dass sexueller Missbrauch und Vertuschung kein Einzelfall seien. Die Herausforderung bestehe darin, Missbrauch auf systemischer Ebene anzugehen.

Zollner bedauerte, dass Workshops zum Thema Safeguarding hauptsächlich von Frauen besucht würden. "Es scheint, dass Männer nicht nur in der großen Mehrheit für das große Chaos und die Verletzungen verantwortlich sind, sondern auch davor weglaufen, sich dieser Realität zu stellen." Jedoch gebe es heute in der Kirche ein Problembewusstsein in Sachen Missbrauch, das es vor zehn Jahren noch nicht gegeben habe. Zugleich betonte Zollner, dass dieses Bewusstsein und die dazu gehörende Offenheit nicht überall gleich seien. "Unter Geistlichen, der Hierarchie innerhalb der Kirche, aber auch unter vielen Leuten in den Kirchenbänken gibt es immer noch Widerstand gegen die Anerkennung dieser abscheulichen Verbrechen", sagte Zollner. Viele mieden es, den Geschichten von Überlebenden zuzuhören.

Der Jesuit Hans Zollner stammt aus Regensburg. Er leitet das "Institut für Anthropologie – Interdisziplinäre Studien zu Menschenwürde und Sorge für schutzbedürftige Personen" (IADC) an der Universität Gregoriana in Rom, das 2021 aus dem bisherigen Kinderschutzzentrum CCP hervorging, und ist Mitglied der Päpstlichen Kinderschutzkommission. (ben)

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