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Sophia Kuby über Karneval und Fastenzeit

Zwischen Mardi Gras und Aschermittwoch

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Schachfigur
Bonn - Sophia Kuby über Karneval und Fastenzeit

Weit über das Rheinland hinaus begehen wir heute den vielleicht ausgelassensten Tag des Jahres, Mardi Gras, den Karnevalsdienstag. Er ist der Höhe- und Endpunkt der "fünften Jahreszeit". Heute muss man sich für nichts entschuldigen, heute gibt es Narrenfreiheit, heute wird alles verziehen. Ausgelassenes Feiern ist etwas, das der Mensch ab und zu braucht. Einen oder zwei über den Durst trinken, tanzen, singen, die normalen Konventionen durchbrechen, mit Wildfremden schäkern, das alles ist Karneval. Und natürlich fantasievolle Kostümierungen, die der Ausgelassenheit förderlich sind, dem Ganzen seine besondere Stimmung geben.

Aber es ist gerade die zeitliche Begrenzung, die den Karneval so besonders macht. Man weiß, dass die Ausgelassenheit nicht ewig währt und gerade deshalb ist sie wohltuend. Am Aschermittwoch ist "Schluss mit lustig". Man legt die Masken ab, das Leben wird wieder einfacher, die Fastenzeit beginnt und damit eine Zeit des Verzichts. Auf den Überfluss folgt die Entbehrung und das eine verkäme ohne das andere entweder zu sinnlosem Gelage oder zu calvinistischem Puritanismus, der keine Freude mehr kennt.

Der Mensch lebt und schöpft seine Freude gerade aus der zeitlichen Begrenztheit der Umstände. Das Sprichwort "Man soll gehen, wenn es am schönsten ist" birgt mehr Weisheit in sich als man ihm auf den ersten Blick abgewinnen kann. Der Übergang vom Mardi Gras zum Aschermittwoch ist ein solcher Moment. Und er drückt für mich auf wunderbare Weise aus, was es heißt katholisch zu sein. Es ist eben nicht nur das eine oder nur das andere, sondern es ist im wahrsten Sinn "allumfassend". Ausgelassenes Feiern gehört genauso dazu wie Zeiten der Askese, der Entbehrung, der Anstrengung, der Stille, der Reinigung.

Allerdings ist auch die Fastenzeit kein Selbstzweck, selbst wenn sie heute oft als willkommene Gelegenheit zur Diät mit christlichem Anstrich verstanden wird. Sie ist eine Zeit der Vorbereitung, des Leerwerdens für Gott. Alles Überflüssige, das wir oft mit dem Wesentlichen verwechseln, kann abgebaut werden. Alle Masken können abgelegt werden. Durch selbst auferlegten Nahrungsentzug, einen anderen Alltagsrhythmus, mehr Gebet, die Beichte können wir einen sprichwörtlichen Osterputz machen, der uns wieder aufnahmefähiger und sensibler macht für unsere Erlösungsbedürftigkeit.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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