200.000 Euro unter dem Talar geschmuggelt?
In Italien steht ein katholischer Priester im Verdacht, unter seinem Talar für die Mafia Geld ins Ausland geschmuggelt zu haben. Laut einem Bericht der Tageszeitung "Corriere del mezzogiorno" geht aus abgehörten Telefonaten hervor, dass der Pfarrer aus Caivano in der Nähe von Neapel für die Camorra als Geldkurier 200.000 Euro nach San Marino gebracht haben soll. Die Abhöraktion der Polizei stand im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen 45 mutmaßliche Mitglieder und Helfer eines Camorra-Clans. Man habe den Priester für die Aufgabe ausgewählt, weil er nicht kontrolliert worden sei, so die Zeitung. Gegen den Geistlichen selbst werde bislang jedoch nicht ermittelt. Die Staatsanwaltschaft wolle zunächst die weiteren Ermittlungsergebnisse abwarten.
Briefmarke für den bekanntesten Anti-Mafia-Priester
Der Vatikan stellte unterdessen am Dienstag eine neue Briefmarke vor, die den bekanntesten Anti-Mafia-Priester Italiens würdigt. Der Pfarrer Giuseppe Puglisi war vor 25 Jahren, am 15. September 1993, in Palermo von der Mafia erschossen worden. Puglisi hatte in einem Problem-Viertel Palermos gegen das organisierte Verbrechen gepredigt und versucht, Jugendliche durch soziale Angebote vom Abgleiten in die Kriminalität zu bewahren. Puglisi wurde 2013 seliggesprochen. Er war einer der ersten Priester, die von der Mafia getötet wurden.
Die katholische Kirche in Italien hat ihren Kampf gegen die Mafia in den vergangenen Jahren verstärkt. So haben Bischöfe zuletzt mehreren Mafia-Bossen die Totenmesse verweigert und Angehörige des organisierten Verbrechens als Taufpaten ausgeschlossen. Papst Franziskus hatte 2014 den Ton gegenüber der Mafia verschärft und in der süditalienischen Mafia-Hochburg Kalabrien verkündet, dass Mafia-Angehörige exkommuniziert seien. Dennoch werden regelmäßig Fälle bekannt, in denen Priester enge Kontakte zu Mafia-Clans pflegen und die kirchlichen Vorgaben missachten. (tja)