Anglikaner-Primas rügt Trump wegen Muslim-Videos
Der anglikanische Primas von England hat sich in die Kritik an der Video-Aktion von US-Präsident Donald Trump eingereiht. Es sei "zutiefst beunruhigend, dass sich der Präsident der Vereinigten Staaten entschieden hat, die Stimme rechter Extremisten zu verstärken", schrieb Erzbischof Justin Welby auf Facebook (Mittwochabend).
Gott habe die Christen "aufgerufen, unsere Nachbarn zu lieben und das Gedeihen aller in unseren Gemeinschaften und Nationen zu suchen", so Welby. Trump müsse seine Tweets löschen und klarmachen, dass er "gegen Rassismus und Hass in jeder Form" stehe. In einem Interview hatte Welby die Frage verneint, ob er verstehe, warum es so große Unterstützung "fundamentalistischer Christen" für Trump gebe.
Der US-Präsident hatte am Mittwoch via Twitter drei antiislamische Videos der rechtsextremen Partei Britain First kritiklos an seine 43,5 Millionen Follower weitergeleitet. Eines zeigt, wie ein Jugendlicher auf Krücken im niederländischen Monnickendam angeblich von einem muslimischen Einwanderer verprügelt wird. Später stellte sich heraus, das der Schläger weder ein Muslim noch Migrant war.
Ein zweiter Film hält fest, wie mutmaßliche Anhänger der ägyptischen Muslimbrüder in Alexandria einen 19-Jährigen von einem Hausdach warfen. Einer der Täter erhielt dafür später die Todesstrafe; das Urteil wurde zwei Jahre später vollstreckt. Das dritte Video, das Trumps Aufmerksamkeit erzielte, stammt von 2013 und wurde vermutlich in Syrien aufgenommen. Zu sehen ist ein muslimischer Extremist, der eine Marienstatue auf dem Boden zerschmettert.
Die britische Premierministerin Theresa May hatte Trumps Weiterleitung scharf verurteilt. Die "vorurteilsbeladene Rhetorik" von "Britain First" sei "die Antithese jener Werte, die dieses Land repräsentiert: Anstand, Toleranz und Respekt".
Anfang November hatte ein britisches Gericht die Herausgeberin der Website von "Britain First" und Vize-Parteivorsitzende Jayda Fransen wegen Beleidigung einer Muslimin zu einer Geldstrafe verurteilt. Fransen zeigte sich dagegen hoch erfreut durch die PR des US-Präsidenten. Sie twitterte: "Gott segne Trump! Gott segne Amerika!" (KNA)