Anglikanischer Priester muss in Haft
Kurios ist aber nicht nur die Straftat selbst, sondern auch der Verlauf des Gerichtsverfahrens. Denn eigentlich hätte Prozess schon in der vergangenen Woche beendet werden sollen. Doch es kam anders: Während sich die Jury damals zur Beratung zurückzog, verabschiedete sich der Pfarrer in die Mittagspause – und ward nicht mehr gesehen. Er türmte. Wie sich später herausstellte, nahm er einen Flug nach Düsseldorf. Seine Angst war nicht unbegründet. Denn die Jury befand den Mann für schuldig, nur das Strafmaß stand noch aus.
Internationale Fahndung
Am vergangenen Wochenende wusste sich die britische Polizei dann nicht anders zu helfen, als die internationale Behörde "Interpol" einzuschalten. Wie der zuständige Ermittler Steve Whittaker der Zeitung "The Independent" sagte, nahmen die Kommissare Kontakt mit dem Flüchtigen auf und überredeten ihn, auf die Insel zurückzukehren und sich zu stellen. Auch mehrere leitende Geistliche der zuständigen Diözese Leeds riefen den Priester dazu auf, sich zu stellen.
Am Montag gegen Mittag erschien er dann in einer Polizeistation in Sheffield und ließ sich festnehmen. Die Anklage hatte ihm vorgeworfen, insgesamt Gelder in Höhe von 24.000 Pfund (rund 34.000 Euro) veruntreut zu haben. Im Urteil wurde nun von mindestens 16.500 Pfund gesprochen. In einigen Fällen ging es um Gebühren für Hochzeiten, Beerdigungen oder Gedenkveranstaltungen, die der Priester eigentlich an die Diözese hätte weiterleiten sollen, in einem anderen um wiederrechtlich einbehaltenes Geld für Grabgestaltungen und Gedenksteine.
Richter: Das Vertrauen der Gemeindemitglieder missbraucht
Auf dem Grundstück und dem Friedhof seiner früheren Gemeinde in der Ortschaft Darton fanden die Ermittler 23 Grabsteine und Hinweise auf 50 Urnen, die offiziell nie beigesetzt wurden. Der "Guardian" zitiert den zuständigen Richter in der Urteilsbegründung mit folgenden Worten: Die Gemeindemitglieder hätten den Pfarrer im Vertrauen in ihre Häuser und ihr Leben gelassen, doch dieser habe ihr Vertrauen missbraucht.