Suche
Joachim Valentin über die Brustkreuze-Diskussion

Bekennermut auf dem Tempelberg

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Joachim Valentin über die Brustkreuze-Diskussion

Vor zwei Wochen hatte ich die Freude, mit dem ZdK-Gesprächskreis "Juden und Christen" und seinem Präsidenten Thomas Sternberg Israel zu bereisen. Wo auch immer wir hinkamen, in der Dormitio, der deutschen Botschaft in Tel Aviv, bei namhaften jüdischen und christlichen Repräsentanten im Heiligen Land - überall hörten wir: "Letzte Woche waren die evangelischen und katholischen deutschen Bischöfe auch schon hier - was für eine Harmonie in der Gruppe, was für ein starkes Zeichen für das ökumenische, aber auch das christlich-jüdische und deutsch-israelische Miteinander".

Interessierte Kreise und die auf Sensation getrimmten deutschen (sozialen) Medien haben aus dieser schönen Geschichte aber in den letzten Tagen ein Horror-Märchen gemacht: Christen, die vor Muslimen ihre Kreuze verbergen, genauer: Martyrertum verleugnende Weichei-Bischöfe, die zwar im vollen Ornat und mit (!) ihren Kreuzen den Tempelberg betreten, aber dann einen politisch-inkorrekten Respekt vor dem Islam zeigen und in der Moschee ihre Brustkreuze verdecken.

Die Lage auf dem Tempelberg ist politisch aufgeladen, erst Recht nach einer skandalösen Unesco-Resolution, die lediglich die islamische Bezeichnung des Tempelberges (al haram al sharif) verwendet. Interreligiös sensiblen Bischöfen nun aber eine "Verleugnung ihres Glaubens" zu unterstellen, kann nur als absichtliche und willentliche Umdeutung von Tatsachen gewertet werden. Die Intention der Bischöfe dürfte gerade nicht darin bestanden haben, alte Konflikte neu anzuheizen - davor hatte schon die Vatikanische Konzils-Erklärung zum Thema, Nostra aetate, 1965 gewarnt - sondern Muslimen und Juden den gebotenen Respekt zu erweisen. Darüber hinaus ist positiv zu vermerken, dass die deutsche Delegation überhaupt empfangen wurde, dass sie eine Stunde lang von einem Scheich durch die beiden muslimischen Heiligtümer geführt wurden, die ansonsten für Nicht-Muslime tabu sind, ja, dass man sie im Felsendom gar noch auf eine arabische Inschrift hinwies, die Jesus Christus lobt.

Ein ziemlich ermutigendes Zeichen des wechselseitigen Wohlwollens also, und nicht der Untergang des Abendlandes, den interessierte Kreise seit mehr als zwei Jahren "postfaktisch" herbeischreiben und -reden, solange bis er wirklich stattfindet; aber nicht aus den vorgeschobenen Gründen, sondern weil die Tugenden Fernstenliebe und Pluralitätstoleranz - sie gehören zum Besten, was das Christentum und Europa hervorgebracht haben - systematisch zerstört und allerorten interreligiöse Missgunst und marktschreierisches Ressentiment geschürt werden.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node1 (0.014s)