Bischöfe: Bild ertrunkener Migranten schreit zum Himmel
Die katholischen Bischöfe in den USA zeigen sich erschüttert über den Tod des ertrunkenen Migranten Oscar Martinez Ramirez und seiner kleinen Tochter Angie Valeria. Das Bild des toten Vaters mit seinem Kind "schreit zum Himmel nach Gerechtigkeit" und "bringt die Politik zum Schweigen", sagte der Bischofskonferenz-Vorsitzende Kardinal Daniel DiNardo. "Wer kann sich dieses Bild anschauen und darin nicht die Ergebnisse unserer Misserfolge erkennen, eine humane und gerechte Lösung für die Einwanderungskrise zu finden?", fragte der Kardinal in einer Erklärung (Mittwoch Ortszeit). Er forderte die US-Regierung zum Handeln auf.
Papst Franziskus reagierte mit "ungeheurer Trauer" auf den Vorfall. Vatikansprecher Alessandro Gisotti teilte am Mittwoch mit, der Papst sei "tief betrübt" über den Tod der beiden. Er bete "für sie und für alle Migranten, die beim Versuch, vor Krieg und Elend zu fliehen, ihr Leben verloren haben".
Der aus El Salvador stammende Ramirez und seine knapp zweijährige Tochter waren am Sonntag bei der Überquerung des Rio Grande zwischen Mexiko und den USA von der Strömung mitgerissen worden. Das Foto der beiden rief international Bestürzung hervor.
Müssen ein Land bleiben, das Kindern und Familien Zuflucht bietet
"Wir können und müssen ein Land bleiben, das Kindern und Familien Zuflucht bietet, die vor Gewalt, Verfolgung und akuter Armut fliehen", betonte DiNardo. Alle Menschen, unabhängig von ihrem Herkunftsland oder Rechtsstatus, seien nach dem Ebenbild Gottes geschaffen und sollten mit Würde und Respekt behandelt werden.
Darüber hinaus rief der Kardinal den US-Kongress auf, zusätzliche Mittel bereitzustellen, um den Bedürfnissen von Kindern in Bundeshaft gerecht zu werden. Die Politik müsse den Schutz von Einwandererkindern verbessern und gleichzeitig höhere Standards bei der Überwachung von Grenzanlagen umsetzen. "Es ist möglich und notwendig, für die Sicherheit von Migrantenkindern und die Sicherheit unserer Bürger zu sorgen", so DiNardo.
Die Vatikanzeitung "Osservatore Romano" machte ihre Donnerstagsausgabe mit dem Bild der beiden Ertrunkenen auf. Der begleitende Text nennt das Foto ein "Symbol des Dramas, das sich an dieser Grenze vollzieht", und "eine unmissverständliche Anklage der Konsequenzen der harten Politik der Grenzschließung und der Nichtaufnahme". Ebenfalls in einer ungewöhnlichen Geste druckte der "Osservatore" anstelle des Herausgeberkommentars auf der Titelseite einen Songtext des US-amerikanischen Rockmusikers Bruce Springsteen. Unter der Überschrift "Eine schon erzählte Geschichte" gab die Papstzeitung die Liedzeilen von "Matamoros Banks" wieder. Der Song aus dem Album "Devils & Dust" (2005) handelt von einem Tod am Fluss. (tmg/KNA)