Bischöfe rufen EU zu Friedenspolitik auf
Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini diskutierte mit den Bischöfen über die künftige politische Rolle Europas in der Welt. Dialog und Versöhnung auf nationaler und regionaler Ebene seien unentbehrlich, um Frieden zu schaffen, so ihr Fazit. Kirchen könnten eine wichtige Rolle dabei spielen, die Radikalisierung junger Menschen einzudämmen. Mogherini wolle mit den Kirchen Ideen austauschen und gemeinsam neue Instrumente entwickeln, um zu gewährleisten, dass Religions- und Glaubensfreiheit tatsächlich umgesetzt würden, hieß es.
Im März wollen die Bischöfe einen Bericht zu Europas Berufung als Friedensstifter in der Welt veröffentlichen. Ziel sei es, zur globalen EU-Sicherheits- und Friedensstrategie beizutragen, die Mogherini derzeit vorbereitet, und konkrete Empfehlungen für die EU-Außenpolitik auszusprechen.
Marx: Politische Konstellation schwierig
Bereits in der Eröffnungsrede hatte der deutsche COMECE-Vorsitzende Kardinal Reinhard Marx die Flüchtlingskrise angesprochen. Die Verteilung von Flüchtlingen habe zu Spannungen mit Tendenzen zur Spaltung Europas geführt. Die politische Konstellation sei schwierig, so Marx: Die Ankunftsländer im Süden argumentierten gegen die weniger betroffenen Staaten im Norden, "der Westen gegen den Osten, die Aufnahmewilligen gegen jene, die sich gegen die Flüchtlinge sperren".
Das alles wird nach Worten des Kardinals begleitet von gegenseitigen Schuldzuweisungen; das Klima sei von Misstrauen geprägt. Bei der Debatte gehe es "letztlich um europäische Errungenschaften wie den Wegfall der innereuropäischen Grenzkontrollen". Es brauche ein "Zukunftsbild für Europa".
Zu Beginn der Vollversammlung der EU-Bischofskommission COMECE wurde deutlich: Nicht nur in der Politik, auch unter Bischöfen der EU-Mitgliedstaaten gibt es Kritik an der deutschen Flüchtlingspolitik. Derweil fordert der Papst mehr Unterstützung für die Schutzsuchenden.
Der Sekretär der Slowakischen Bischofskonferenz Anton Ziolkovsky sagte zur Flüchtlingskrise, die EU-Staaten müssten mehr miteinander kommunizieren, um die Mentalität der anderen zu verstehen. Die Slowakei sei lange ein Teil des Königreichs Ungarn gewesen. "Das ist alles noch in den Köpfen", so Ziolkovsky. Es gebe einen großen Unterschied zwischen postkommunistischen und westlichen Ländern. Die osteuropäischen Länder seien homogener; dort lebten fast keine Einwanderer und Muslime.
Religionsphilosoph: Islamfeindlichkeit sogar unter Bischöfen verbreitet
"Die Gesellschaft ist nicht multikulturell so wie in Deutschland, Frankreich und Italien", sagte Ziolkovsky. Da sei es "normal, dass die Menschen Angst haben". Zugleich betonte er, es sei eine Frage der Menschlichkeit, anderen zu helfen. Sollte die Slowakei Flüchtlinge aufnehmen, würden keine Unterschiede zwischen Christen und Muslimen gemacht. - Die EU-Bischöfe kündigten an, in den nächsten Monaten ein Positionspapier zur Flüchtlingskrise zu veröffentlichen.
Bei einer Diskussion zum Thema Radikalisierung am Donnerstagabend sagte der Direktor des Islamischen Zentrums von Großbritannien, Mohammad Ali Shomali, dass besonders moralische Werte für das Zusammenleben wichtig seien. Die Liebe zu Gott stehe im Zentrum - egal, ob sie von Christen oder Muslimen komme. Er warnte davor, eine Generation von Muslimen zu schaffen, "die sich in ihrem eigenen Land als zweitklassige Bürger fühlen".
Der Religionsphilosoph Tomas Halik von der Karls-Universität Prag kritisierte, Islamfeindlichkeit werde "auch von einigen christlichen Kreisen und sogar Bischöfen verbreitet". Es sei gefährlich, wenn kirchliche Hierarchien diese Kräfte unterstützten und eine offene Gesellschaft ablehnten. Heutzutage werde Religion an vielen Orten als Waffe benutzt werde. "Unsere Aufgabe ist es, die therapeutische und heilende Kraft der Religion zu entwickeln", so Halik. (luk/KNA)