Bischof Barron kritisiert Kardinal: "Entschuldigung, aber was?"
Der US-amerikanische Bischof Robert Barron hat den algerischen Kardinal Jean-Paul Vesco für seine Interviewaussage kritisiert, die Kirche sei nicht dazu da, zu bekehren, sondern solle nach Brüderlichkeit streben. "Entschuldigung, aber … was?", schrieb Barron in einem Posting auf der Plattform "X" (Mittwoch). "Wenn ich wirklich glauben würde, dass die Kirche nicht existiert, um Menschen zu Christus zu führen, dann würde ich kündigen und einen ehrlichen Job annehmen."
Barron bezieht sich auf ein Interview Vescos mit dem belgischen Portal "CathoBel". Dort hatte der aus Frankreich stammende Kardinal von Algier in der vergangenen Woche erklärt, wie die Kirche in einem muslimischen Land wie Algerien nach interreligiösem Dialog strebe. "Wir sind die Kirche dieses Volkes. Keine missionierende Kirche, keine Kirche, die dazu da ist, zu bekehren, sondern eine Kirche, die danach strebt, ein Teil dieses Volkes zu sein", erklärte Vesco. An anderer Stelle sagte er: "In monotheistischen Religionen ist Missionierung Gift, weil sie impliziert, die Religion des anderen ist falsch." Wenn ein Moslem ihm gegenüberstehe und sage, dass er in Ordnung, seine Religion aber wertlos sei, dann sei der Dialog beendet. "Plötzlich leben wir nicht mehr in derselben Welt, gehören nicht mehr derselben Menschheit an. Dagegen müssen wir ankämpfen."
"Das klingt für mich ganz nach Bekehrung"
Barron bezog sich in seinem X-Posting auf den Missionsauftrag im Matthäusevangelium. "Das letzte Mal, als ich nachgeschaut habe, sagte der Gründer: 'Mir ist alle Vollmacht gegeben im Himmel und auf der Erde. Darum geht und macht alle Völker zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe'", so der konservative und medienaffine Bischof von Winona-Rochester. "Das klingt für mich ganz nach Bekehrung." Auch der Apostel Paulus sei nicht nach Korinth, Athen oder Thessaloniki gereist, um "zuzuhören oder eine Diskussionsgruppe zu bilden", sondern um die beunruhigende Botschaft der Auferstehung Jesu von den Toten zu verkünden.
Auch der Schwerpunkt des gesamten Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965) sei darauf ausgerichtet gewesen, das Licht Christi zu den Völkern zu bringen, so Barron. "Und dieser missionarische Elan hat in den letzten Jahrzehnten die Idee einer 'neuen Evangelisation' hervorgebracht, das heißt, einer frischen Verkündigung der Herrschaft Christi." Gleichzeitig denke niemand, dass Evangelisierung auf eine "einschüchternde, aufdringliche oder respektlose Weise (Proselytismus) erfolgen sollte, aber um Gottes willen, lasst uns das Kind nicht mit dem Bade ausschütten".