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Brot und Spiele

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Cañete - Wer als Projekt-Koordinator in einem Kinderdorf arbeitet, der muss die Ärmel hochkrempeln und Eigeninitiative entwickeln können. Dieses Mal lautet die Aufgabe: "Wie und wo finde ich einen geeigneten Backofen für das Kinderdorf?" Geht man in Deutschland dafür nur kurz ins Internet, um sich vorab zu informieren, so liefert einem das Internet in Peru – zumindest was Backöfen betrifft – nur sehr eingeschränkte Informationen.

Warum ich überhaupt nach einem geeigneten Ofen für das Kinderdorf suche? Ganz einfach: Wenn künftig Brot und andere Backwaren von den Kindern und Jugendlichen selbst hergestellt werden, können Kosten von rund 5.500 Dollar jährlich eingespart werden. Und vielleicht bietet sich für einen Jungen im Kinderdorf auch eine Zukunftschance als Bäcker. Der 21-Jährige ist hinsichtlich seiner Schwäche was das Lesen, Schreiben und Rechnen angeht eingeschränkt – interessiert sich dafür aber sehr für das Erlernen eines Handwerks.

Ein Bäcker aus Deutschland könnte den Kindern das Brotbacken beibringen

Ich habe auch angeregt, dass sich das Dorf nicht nur selbst mit Backwaren versorgt, sondern sie darüber hinaus auch im Nachbardorf verkaufen könnte. Damit würde nicht nur eine Einnahmequelle geschaffen. Die Jugendlichen würden außerdem lernen, selbstständig zu wirtschaften. Und schließlich trägt das auch zur weiteren Integration des Kinderdorfes in die Kleinstadt Cañete bei.

Walter Brüggemann und ein Brotofen.
Walter Brüggemanns Suche nach einem geeigneten Backofen ist schwieriger als gedacht.

Zusätzlich habe ich von "nuestros pequeños hermanos" erfahren, dass wir einen rüstigen, pensionierten Bäcker aus Deutschland für eine gewisse Zeit engagieren könnten, um den Kindern das Handwerk hier vor Ort beizubringen. In einem Kinderdorf in Guatemala hat das bereits gut funktioniert. Also heißt es für mich nun, Kontakt zu meinen Kollegen in Guatemala aufzunehmen, um mehr zu erfahren.

Doch zurück zum Ofen. Ich hatte vor, mich nach Lima aufzumachen, um mich vor Ort direkt nach einem zu erkundigen. Ausgestattet war ich mit der Adresse einer Straße, auf der es nur Geschäfte für Küchenmaschinen und Öfen aller Art gibt. Anders als in Deutschland ist das in Peru und insbesondere in Lima nicht ungewöhnlich: Genauso gibt es hier Straßen nur mit Fahrradgeschäften, andere nur mit Läden für Kinderbekleidung oder Spielzeug.

Vorfreude auf strahlende Kinderaugen

So begleitete ich an einem Morgen German, den Busfahrer, Yolanda, eine der beiden Therapeutinnen für Kinder mit Lernschwächen, und Rosario, die Psychologin, nach Lima. Eine gute Gelegenheit, denn beide wollten mit einer großzügigen Spende aus Neuseeland kindergerechtes Spielzeug einkaufen. Man glaubt gar nicht, wie viel Spaß es macht, die Spielwaren sorgfältig einzukaufen und dabei die freudestrahlenden Gesichter vor Augen zu haben. Dazu aber später mehr – zuerst galt es für mich, mehr Informationen zu einem passenden Ofen zu bekommen.

Kontakt zu Walter Brüggemann

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Wenn Sie Walter Brüggemann schreiben möchten, erreichen Sie ihn unter brueggemann.walter@icloud.com

Doch das war gar nicht so einfach. Denn Lima ist ein "Schmelztiegel" mit mehr als 13 Millionen Einwohnern. Die Bevölkerungsexplosion hat ihre Ursache unter anderem in der Zeit des Terrorismus in Peru in den 1990er-Jahren. Damals hatten sich Militär und Terroristen in den Bergregionen der Anden heftige Kämpfe geliefert, so dass ein Großteil der Dorfbewohner, die zwischen die Fronten gerieten, in die Stadt Lima flüchtete. Die heutige Bevölkerungszahl und eine nicht ausgereifte Infrastruktur – eine U-Bahn fehlt – führen zu Verkehrschaos in Lima, in das wir dann auch an diesem Tag gerieten. Vor uns lagen kilometerlange Staus, obwohl wir dem durch frühzeitiges Anreisen – die Abfahrt war um 6 Uhr morgens – entgehen wollten.

Mit großer Freude suchen die Mitarbeiterinnen Spielzeug für die Kinder aus.

Wie findet man den richtigen Backofen?

Erst einmal haben wir dann die beiden Damen, Yolanda und Rosario, in der "Spielzeug-Straße" abgesetzt. Danach bin ich mit German weitergefahren – auf der Suche nach einem geeigneten Ofen für das Kinderdorf. Wir haben mehrere Geschäfte abgeklappert und ich konnte dabei lernen, wie viele unterschiedliche Arten von Öfen es gibt. Die für uns geeignete Variante kostete jedoch mehr, als uns durch die ursprüngliche Spende zur Verfügung stand.
Daher heißt es nun für mich, Kontakt zu meinen Kollegen aufzunehmen, um die fehlenden Gelder für den Ofen durch ein neues Spendenprojekt zusammenzubekommen.

In der Mittagszeit trafen wir Yolanda und Rosario wieder. Nach einem gemeinsamen Essen begleitete ich die beiden bei ihren weiteren Einkäufen für das altersgerechte Spielzeug für die 14 Babys und Kleinkinder, die im "Casa Divino Niño Jesús" leben. Dort hat mein Kollege aus Kanada, Kiran, der – wie bereits berichtet – Schreiner ist, in den letzten Wochen gemeinsam mit dem Hausmeister einen Spielbereich aus Holz gebaut. Mit einer kleinen Rutsche und einem Häuschen. Nun soll dieser Bereich noch mit dem entsprechenden Spielzeug ausgestattet werden.

Voll bepackt mit schönem Kinderspielzeug fuhren wir am Abend aus Lima zurück nach Cañete und kamen gegen 1 Uhr nachts erschöpft aber glücklich und mit Vorfreude auf die strahlenden Kindergesichter zurück. Müde und zufrieden schlief ich ein und nahm mir fest vor, bald den Backofen kaufen zu können.

Von Walter Brüggemann

Die Hilfsorganisation

Die Hilfsorganisation Nuestros Pequeños Hermanos (Unsere kleinen Brüder und Schwestern) wurde 1954 in Mexiko vom US-amerikanischen katholischen Priester William Wasson gegründet. Das Kinderhilfswerk unterhält Waisenhäuser in mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik und wird unter anderem vom katholischen Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt.

Die Hilfsorganisation
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