Bürgermeister sperrt aus Trotz die Kirche zu
Trotzreaktion statt Kindertaufe: Der Bürgermeister des französischen Dorfes Beuzeville-au-Plain hat die örtliche Kirche abgesperrt, weil der Pfarrer dort nicht die Taufe eines Kindes feiern wollte. Die Absage des Geistlichen soll Olivier Osmont besonders verärgert haben, da es sich beim Täufling um seinen Großneffen handelte, heißt es in der französischen Presse. Die Taufe des kleinen Louis habe demnach am Samstag im knapp vier Kilometer entfernten Hauptort Sainte-Mère-Église stattgefunden.
Wie die Regionalzeitung "La Presse de la Manche" am Sonntag berichtete, habe Osmont seine vorab angekündigte Reaktion zeitgleich zur Tauffeier in die Tat umgesetzt. Pünktlich um 18 Uhr habe er demnach das Portal der Dorfkirche Saint-Brice verschlossen. Außerdem habe der Bürgermeister vorab das Geläut abgestellt; für einen Monat soll in dem 50-Seelen-Ort im Norden der Normandie keine Glocke mehr erklingen.
Pfarrer und Bistum begründen Absage
Anlass für den Streit war laut der Berichte die Entscheidung des Pfarrers Marie-Bernard Seigneur, die Taufe trotz der Bitte der Eltern nicht an ihrem Wohnort zu feiern. Gegenüber der Zeitung "La Croix" erklärte der 75-Jährige, er könne schlicht nicht alle 25 Gemeinden seines Seelsorgebereichs gleichermaßen bedienen. In der Kirche von Beuzeville-au-Plain wird nur einmal im Jahr die heilige Messe gefeiert, heißt es im Bericht. Das zuständige Bistum Coutances zeigte Verständnis für die Entscheidung Seigneurs, die Taufe daher im Hauptort der Pfarrei zu feiern. Gegenüber der Zeitung "Ouest France" führte Generalvikar Thierry Anquetil auch theologische Gründe an: "Die Kirche ruft uns auf, den gemeinsamen Ort der Sakramente der Taufe und der Eucharistie zu stärken, da sie eng miteinander verbunden sind."
Gegenüber "La Croix" kritisierte das Bistum zudem, dass Bürgermeister Osmont mit der Aktion seine Kompetenzen überschritten habe. Das Laizitätsgesetz von 1905 sehe eine klare Trennung von Kirche und Staat vor, wie der Pfarrer dabei seine Seelsorge ausübe, stehe allein in seinem Ermessen. Das Gesetz überführte die Kirchenbauten jedoch zugleich ins Eigentum der Kommunen, weshalb Osmont tatsächlich die Schlüsselgewalt über die Dorfkirche besitzt.
Hinter der Kirchenschließung steht laut dem Bürgermeister schließlich auch ein öffentliches Anliegen. Die Kommune sorge für den Erhalt der Kirche und komme für die laufenden Kosten auf. Daher habe sie auch ein Interesse daran, dass das Gotteshaus weiterhin seinem Sinn entsprechend genutzt wird, so Osmont gegenüber der "Presse de la Manche". Mit Blick auf die Situation auch anderer Dorfkirchen fügte er an: "Wenn sie im gottesdienstlichen Leben nicht länger eine Rolle spielen, wird man eine andere Nutzung finden müssen." (kim)