Corona-Verstoß: Polizei löst Gottesdienst auf und verhängt Bußgelder
Wegen Verstößen gegen die geltenden Corona-Regeln hat die australische Polizei in einem Vorort von Sydney einen evangelikalen Gottesdienst aufgelöst und gegen die Gläubigen Bußgelder in Höhe von insgesamt 35.000 australischen Dollar (rund 21.300 Euro) verhängt. Wie lokale Medien am Montag berichteten, müssen 30 Gläubige wegen ihrer Teilnahme an der Feier jeweils 1.000 australische Dollar (rund 610 Euro) bezahlen, die Kirche selbst wurde mit einem Bußgeld von 5.000 australischen Dollar (rund 3.000 Euro) belegt. Der Gottesdienst habe am Sonntagabend in der "Christ Embassy Church" im Westen von Sydney stattgefunden, hieß es. Die Polizei habe Hinweise auf eine mögliche illegale Messe bekommen und in der Kirche schließlich rund 60 Personen angetroffen.
Im Großraum Sydney gilt wegen steigender Corona-Zahlen seit acht Wochen ein strenger Lockdown, der erst kürzlich bis Ende September verlängert worden war. Die Menschen dürfen nur noch unter bestimmten Bedingungen ihre Häuser verlassen, zudem gelten nächtliche Ausgangsbeschränkungen. Der Bundesstaat New South Wales, in dem Sydney liegt, verzeichnete am Montag bereits den dritten Tag in Folge mehr als 800 Neuinfektionen. Australien hat sich seit März vergangenen Jahres weitgehend abgeschottet und hatte die Corona-Pandemie über einen langen Zeitraum zunächst erfolgreich bekämpft. Wegen der Ausbreitung der Delta-Variante und einer inzwischen schleppenden Impfkampagne häufen sich nun aber neue Krankheitsfälle.
Pastor hatte dazu aufgerufen, sich nicht impfen zu lassen
Australische Medien berichteten am Montag, der Pastor der "Christ Embassy Church" habe in dem Gottesdienst erklärt, dass der Lockdown in New South Wales beendet sei. Zudem habe er während der Messe gesagt, dass man "im Namen Jesu jeden Lockdown in unseren Städten" ablehne. Schon in der Vergangenheit war der Prediger durch zweifelhafte Äußerungen aufgefallen, unter anderem hatte er in Predigten Verschwörungserzählungen wiedergegeben und die Gläubige aufgerufen, sich nicht impfen zu lassen.
Der Polizeiminister des Bundesstaats, David Elliott, sagte am Montag in einer Stellungnahme, er sei angesichts des Gottesdienstes "fassungslos". Und weiter: "Wenn man bedenkt, dass Kirchen eigentlich dazu da sind, eine Botschaft der Hoffnung und Liebe zu verbreiten, dann ist es schon außergewöhnlich, dass diese Menschen die Gemeinschaft gefährden, weil sie durch ihre Versammlung potenziell ein Virus verbreiten." Zugleich betonte Elliot, dass die überwiegende Mehrheit der Kirchen gut geführt sei und sich an die Corona-regeln halte. (stz)