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Abtpräses Jeremias Schröder über Gründe gegen einen EU-Austritt Großbritanniens

Countdown zum Brexit?

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Schachfigur
Bonn - Abtpräses Jeremias Schröder über Gründe gegen einen EU-Austritt Großbritanniens

Die Glorie Britanniens hat ziemlich viel mit Europa zu tun. Im Fuldaer Grab des Apostels der Deutschen liegen englische Knochen, und meine schwäbische Heimat war von 1704 bis 1714 ein Mini-Fürstentum des Hauses Marlborough. Es gibt wahrscheinlich noch aussagekräftigere Beispiele, aber für die ist hier kein Platz. Jedenfalls: die Isolationsideologie der englischen EU-Austrittsbefürworter ist unhistorisch, und die Argumente sind durch sinnentstellende Vereinfachungen aus der komplexen Materie herausdestilliert worden, oder frei erfunden.

Tragisch ist, dass auch die Verfechter eines EU-Verbleibs armselig argumentieren, reduziert aufs Ökonomische. Die Britenfreunde diesseits des Kanals müssen deshalb positive Argumente zur Diskussion beitragen, die etwas tiefer gehen. Hier ein paar Vorschläge:

Warum wir Grossbritannien in der EU brauchen:

-Damit ein großes Land mit Linksverkehr und erblichem Königtum uns beständig ermahnt, dass alles auch ein bisschen anders sein kann.

- Wegen der Religion: lieber das höflich-desinteressierte Wohlwollen der Engländer als der fanatische Laizismus französischer Art.

- Jemand muss immer wieder kraftvoll daran erinnern, dass der Staat nicht alles ist und die Freiräume der Einzelnen verteidigt werden müssen. Die Tradition des politischen Liberalismus ist auf dem Kontinent nicht in guten Händen.

- Manchmal müssen die Cousins von jenseits des Ärmelkanals die aufgeblasene Selbstgerechtigkeit aufbrechen, die sich gerne breitmacht, wenn keiner mehr zu lachen wagt.

Und warum braucht Grossbritannien Europa?

- Wenn Brüssel nicht mehr als Sündenbock für Englands Populisten herhalten kann, kommen wahrscheinlich die Schotten dran. Es drohen Rassismus und Pogrome.

- Die Entertainerqualitäten von Boris Johnson (einem fabulierenden Ex-Bürgermeister und Anführer der Brexit-Bewegung) finden in Europa ein weites Feld. Es wäre schade, wenn der Mann mangels guter Engagements in die Politik gehen müßte.

- Und manchmal müssen die Cousins vom Kontinent vielleicht die selbstgerechte Aufgeblasenheit anpieksen, die sich so gerne breit macht, wenn man im eigenen Saft schwimmt.

Mein Appell ans Vereinigte Königreich: Bonifatius, Marlborough, und Churchill haben sich eingemischt. Don’t stop now!

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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