Dann kam die Flut
Im Gepäck hat er Taifune mit harmlos klingenden Namen. Wie "Bopha", zu Deutsch "Blume", der am vergangenen Dienstag dieses Fleckchen Erde traf, alles dem Erdboden gleichmachte und Hunderte Menschen in den Tod riss. Es war einer von 16 Stürmen, die allein in diesem Jahr die Philippinen heimsuchten. Er hat Familien auseinandergerissen, 87.000 Menschen obdachlos gemacht. Ihre Leidensgeschichte wird noch lange nicht auserzählt sein, wenn sie bei uns aus den Schlagzeilen verschwunden ist.
Tsunamis in Japan, Hurrikans in Haiti und New York, Erdrutsche, Schlammlawinen, Waldbrände, Dürren. Die Liste allein für 2012 ist lang und lässt an Sintflut und Apokalypse denken. Werden wir aus dem Paradies vertrieben? Eine direkte Verbindung zur Bibel sieht Jürgen Hübner nicht, dazu sei die historische Bedeutung etwa der Sintflut-Geschichte zu unklar. "Allerdings ist sie eine Aufforderung zur Wachsamkeit und zur Umkehr", so der Heidelberger Schöpfungstheologe.
Auszug aus dem Paradies
Wir vertreiben uns selbst aus dem Paradies. Die Rechnung ist einfach, jeder Fünftklässler kann sie verstehen: Menschen produzieren Abgase, diese führen zum Treibhauseffekt und zur globalen Erwärmung. Daraus resultieren Temperaturunterschiede auf der Erde. Weil dadurch mehr Wasser verdunstet, kommt es zu heftigeren Niederschlägen. Ausgleichende Winde werden zu Orkanen. Die Wahrscheinlichkeit von Flutkatastrophen steigt.
Schaut man sich die Zahl der schweren Naturkatastrophen in den vergangenen zwanzig Jahren an, scheinen sie diese Theorie zu untermauern. Gab es in der ersten Hälfte der 1990er Jahre etwa 250 große Naturkatastrophen jährlich, waren es in den Jahren 2000 bis 2008 rund 390, wie Studien des CRED-Instituts für Katastrophenforschung zeigen.
Der Weltrisikobericht für 2012 des Bündnisses "Entwicklung Hilft" legt den Finger einmal mehr in die Wunde. Je größer die Umweltzerstörung, desto höher das Katastrophenrisiko, ist die klare Bilanz für die Dekade 2002 bis 2011. Gemeinsam mit dem Institut für Umwelt und menschliche Sicherheit der Universität der Vereinten Nationen (UNU-EHS) berechnet das Bündnis das Risiko für 173 Länder, Opfer einer Naturkatastrophe zu werden.
"Wo Hänge entwaldet sind, wo schützende Riffe, Mangroven und Feuchtgebiete degeneriert oder sogar komplett verschwunden sind, treffen Naturgewalten mit ungleich größerer Wucht auf die bewohnten Gebiete", sagt Peter Mucke, Geschäftsführer von "Entwicklung Hilft". Und, dass es vor allem die armen Länder trifft, deren Gesellschaften am verwundbarsten sind. So können zwei vergleichbare Erdbeben ganz unterschiedliche Folgen haben. Einmal fordert es 187 Todesopfer, ein anderes Mal verlieren 220.000 Menschen ihr Leben – das eine Land ist Neuseeland, das andere Haiti.
Sicher in Katar
Die Geschichte der Apokalypse steht geschrieben in der Offenbarung des Johannes. Und doch appelliert Theologe Hübner an das Gottvertrauen der Menschen. "Ich glaube nicht, dass die derzeitigen Katastrophen in der Welt das letzte Wort Gottes an die Menschen sind", sagt er. Der Weg sei aber klar: "Wir müssen den Klimawandel eindämmen."
Daran scheinen die Spitzenpolitiker in Katar wohl vergeblich zu arbeiten. Eigentlich hätte Freitag schon Schluß sein müssen, aber die Spitzenpolitiker verhandeln immer noch.Theoretisch können sie auch Zeit lassen. Denn Katar hat laut Weltrisikobericht 2012 das geringste Risiko weltweit, Opfer einer Naturkatastrophe zu werden.
Von Janina Mogendorf
Misereor-Expertin Anika Schroeder zieht ihre Bilanz der Weltklimakonferenz in Katar