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Sophia Kuby über die Verwüstung christlicher Städte durch den IS

Das Licht der übernatürlichen Gnade

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Schachfigur
Bonn - Sophia Kuby über die Verwüstung christlicher Städte durch den IS

Gerade komme ich aus dem Irak zurück. Ich habe mir knapp drei Wochen nach der Befreiung der christlichen Dörfer und Städte in der Ninive-Ebene selbst ein Bild vom Ausmaß der Zerstörung durch den sogenannten Islamischen Staat gemacht. Ich muss sagen, dass so viel zielgerichteter Hass kaum in Worte zu fassen ist. Keine Kirche, die nicht geschändet, ausgebrannt und übel zugerichtet wurde. Die Tabernakel aufgebrochen, die Statuen geköpft, die Kreuze zerbrochen, die Gräber aus frühen Jahrhunderten geschändet, die Klöster eingerissen, die Bibliotheken verbrannt. Es sind Geisterstädte, niemand kann dort leben und das wird auch noch viele Monate, vielleicht Jahre, so bleiben. Der IS hat kurz vor seiner Vertreibung aus den Dörfern noch 70 Prozent der Häuser und 100 Prozent der Kirchen ausgebrannt und bis in die kleinste Ecke alles vermint.

Ich konnte den Rauch noch riechen, an manchen Stellen Leichengeruch. In der komplett ausgebrannten Kirche von Bartallah, wo niemand außer ein paar Soldaten zu finden ist, erscheint plötzlich aus einer schwarzen Ecke der Pfarrer in seiner schwarzen Soutane. Er ist selbst Flüchtling, aber eben auch der Hirte seiner Herde, die in Erbil seit über zwei Jahren in Containercamps lebt. Er ist der erste, der zurückgekommen ist, sich ein Bild von der Lage macht, anfängt, die Kirche aufzuräumen. Sofort hat er sein zerstörtes Heiligtum wieder zu einem Ort des Gebetes gemacht. Kerzen auf dem Altar erhellen die schwarze Kirche, zwei Ikonen stehen am Altar. Strom gibt es nirgends, auch kein Wasser. Wir beten gemeinsam ein Vater Unser in Aramäisch.

Ich habe viele Opfer des andauernden Völkermords interviewt – einige von ihnen wurden erst vor drei Wochen aus über zwei Jahren Gefangenschaft des IS befreit. Ismaeel, 16 Jahre, und seine Mutter, Zarifa und Badria, beide um die 80 Jahre und andere, die nicht mehr rechtzeitig flüchten konnten und von dem Terror, der Folter, den erzwungenen Konversion, den Hinrichtungen erzählen. Andere haben noch immer Ehemänner, Söhne, Mütter, Töchter in IS-Gefangenschaft, wissen nicht, ob sie tot oder lebendig sind. 140.000 Menschen mussten in einer einzigen Nacht, dem 6. auf den 7. August 2014, fliehen und haben alles verloren. Aber niemand, nicht einer, ist bitter oder verlangt nach Rache. In allem Grauen und aller menschlicher Misere habe ich das Licht der übernatürlichen Gnade gesehen. In den Gesichtern der Christen von Erbil habe ich gesehen, dass Vergebung möglich ist.

Hinweis

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