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Der Weltgebetstag für die Kirche im China lenkt den Fokus auf ein schwieriges religiöses Leben

Der Glaube und die Freiheit

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Kirche in China
Bonn - Christsein in China kann eigentlich sehr einfach sein. Als Mitglied einer der offiziellen, staatlich registrierten Kirchen, kann man seinen Glauben frei leben und Gottesdienste besuchen. Aber eben nur dann. Dort, wo sich der Glaube staatlicher Kontrolle entziehen oder sich gar am Vatikan orientieren will, hat er es schwer. Religionsfreiheit ist im Land der Mitte zwar garantiert, allerdings nur so, wie der Staat es will.

Christsein in China ist also nicht so leicht. Darauf will auch der heutige Gebetstag für die Kirche in China aufmerksam machen. Der Tag geht auf eine Empfehlung von Papst Benedikt XVI. zurück, der 2007 zur Verbundenheit mit den Gläubigen in China aufrief. Der 24. Mai ist nicht zufällig gewählt. Viele Katholiken in China machen sich an diesem Tag zum Berg Sheshan in der Diözese Shanghai auf, um die Gottesmutter zu verehren.

Das Christentum wächst

Schätzungen, wie viele Christen es in China gibt, sind nur schwer anzustellen. Aktuelle Aussagen sprechen etwa von rund 12 bis 14 Millionen Katholiken. Dem aktuellen Jahresbericht von Amnesty International zufolge werden nicht nur sie, sondern auch Muslime und Buddhisten im Land verfolgt, wenn sie ihren Glauben außerhalb der staatlich genehmigten Bahnen ausübten. Es habe Folterungen, Schikanen und Inhaftierungen gegeben. Besonders hart traf es Gläubige in den autonomen Gebieten Tibet und Xinjiang im äußersten Westen der Volksrepublik.

Dennoch: "Das Christentum in China ist sehr lebendig und stößt auf Interesse in einer Gesellschaft, in der viele nach Orientierung suchen", sagt Katharina Wenzel-Teuber, Mitarbeiterin des China-Zentrums in Sankt Augustin und Chefredakteurin der dort herausgegebenen Zeitschrift "China heute". Zwar seien Christen nach wie vor eine kleine Minderheit in der Bevölkerung, doch würden sowohl Katholizismus als auch Protestantismus im Land wachsen.

Hell erleuchtet: Die St. Joseph Kathedrale in Peking.
Hell erleuchtet: Die St. Joseph Kathedrale in Peking.

Aufgrund der starken staatlichen Kontrolle praktiziere ein Teil der Christen ihren Glauben in den staatlich nicht erlaubten Untergrundgemeinden oder Hauskirchen. Allerdings: "Das Engagement der Kirchen für Notleidende in der Gesellschaft wird von der Regierung anerkannt und sogar erwartet", so Wenzel-Teuber.

Peking und Rom streiten um Bischöfe

Zwischen dem Vatikan und China kommt es immer wieder zu Spannungen. Die kommunistische Führung des Landes lehnt – mit Verweis auf Paragraph 36 der Verfassung zur Religionsfreiheit – eine Einmischung von außen ab. So auch bei Bischofsernennungen und anderen Weihehandlungen. Noch am Tag des Amtsantritts von Papst Franziskus hat ein von Rom nicht anerkannter chinesischer Bischof der regimetreuen "Chinesisch Katholisch-Patriotischen Vereinigung" zwei Priester geweiht.

Neuerlichen Ärger könnte es um die Nachfolge des Ende April gestorbenen Bischofs Aloysius Jin Luxian geben. Mit Bischof Jin Luxian habe die Kirche in Festlandchina "eine der letzten Kirchenpersönlichkeiten der alten Generation verloren", sagt Expertin Wenzel-Teuber. Bezüglich seiner der Nachfolge sei die Diözese Shanghai in einer schwierigen Situation.

Zwar habe Jin, der quasi zwischen den Fronten stand, im Juli 2012 den Shanghaier Priester Taddeus Ma Daqin mit Zustimmung des Vatikan und der chinesischen Behörden als seinen Nachfolger geweiht. "Weihbischof Ma wurde jedoch von den Behörden am Antritt seines Amtes gehindert, nachdem er öffentlich den Austritt aus der Patriotischen Vereinigung verkündet hatte", erläutert Wenzel-Teuber.

"Das Verhältnis von Kirche und Staat in China ist in den vergangenen Monaten wieder schwieriger geworden", sagt der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick, der zugleich Vorsitzender der Kommission Weltkirche der Deutschen Bischofskonferenz ist. Der Druck auf die Geistlichen in China habe sich verstärkt, die Spaltung in eine "Untergrundkirche" und eine unter staatlicher Aufsicht stehende "offizielle" Kirche dauere an.

"Mit unserer Fürbitte wollen wir uns aber auch für die Achtung von Menschenwürde und Menschenrechten, für den Schutz des Lebens und für Versöhnung und Gerechtigkeit allgemein einsetzen", so Schick.

Treu zum Papst: Ein Transparent chinesischer Christen bei einer Generealaudienz auf dem Petersplatz im Jahr 2006.
Treu zum Papst: Ein Transparent chinesischer Christen bei einer Generealaudienz auf dem Petersplatz im Jahr 2006.

"Beten ist wichtig!"

Papst Franziskus wiederum hofft auf mehr Freiraum für die Katholiken in China. Bei seiner Generalaudienz am Mittwoch im Vatikan rief er alle Gläubigen zum Gebet für die chinesischen Katholiken auf, damit sie ihren Glauben verkünden und die Treue zum Papst und der Weltkirche wahren könnten.

"Mögen sie ihren Dienst für ihr Land und ihre Mitbürger im Einklang mit ihrem Glauben leben können", sagte der Papst. Er hoffe, dass die Christen "inmitten der täglichen Schwierigkeiten weiterhin glauben, hoffen und lieben" könnten, und dass sie keine Angst haben müssten, in der Welt über Jesus zu sprechen.

"Beten ist wichtig!", findet auch China-Expertin Wenzel-Teuber. Und: "Falls Sie selbst die Möglichkeit haben, nach China zu reisen, besuchen Sie dort einen Gottesdienst, das ist in vielen größeren Städten möglich und die chinesischen Christen freuen sich darüber." Ebenso sollte man Chinesen in Deutschland gastfreundlich begegnen. "So kann gegenseitiges Verständnis wachsen."

In der Tatsache, dass Chinas Staatschef Xi Jinping jüngst mit dem Moskauer Patriarchen Kyrill I. erstmals ein Kirchenoberhaupt empfangen hat, sieht Wenzel-Teuber keinen Wandel im Verhältnis des chinesischen Staates zur Religion. "Es ist vor allem ein Hinweis auf zunehmend enge Beziehungen zwischen Russland und China."

Dennoch bringt das Treffen das Thema Religionsfreiheit wieder auf die politische Tagesordnung – vielleicht auch für den Antrittsbesuch von Chinas neuem Premierminister Li Keqiang bei Kanzlerin Merkel am Sonntag.

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