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Andreas Püttmann zum Gebetssturm gegen den Syrienkrieg

Der Krieg und die Schande

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Schachfigur
Bonn - Andreas Püttmann zum Gebetssturm gegen den Syrienkrieg

Am 7. September 2013 fand auf dem Petersplatz eine eindrucksvolle, fast vierstündige Gebetsvigil für den Frieden in Syrien mit Papst Franziskus statt. Seit dem Ausbruch des Bürgerkriegs 2011 waren da bereits rund 100.000 Menschen getötet und zwei Millionen in die Flucht getrieben worden. Doch erst jetzt, wo die USA nach dem Versagen des UN-Sicherheitsrates und dem Einsatz von Chemiewaffen die militärische Infrastruktur des Despoten von Damaskus ins Visier nahmen, wurde zum weltweiten Gebetssturm aufgerufen.

Die Obama-Administration entschied sich trotz Assads Überschreitung der "roten Linie" schließlich gegen ein Eingreifen. Manche Frommen feierten das als Gebetserhörung. Wie denken sie eigentlich heute darüber? Etwa jener superkatholische Vatikankorrespondent, der gegen einen skeptischen Kommentar zu Zeitpunkt und Fokus der geistlichen Generalmobilmachung wutbrieflich zu Felde zog?

Inzwischen haben Putin, Assad und Verbündete Syrien vollends in ein Schlachthaus verwandelt, der Widerstand gegen die Tyrannei wurde von barbarischen Islamisten gekapert, der Flüchtlingsstrom schwoll an und dient rechtsradikalen Demagogen dazu,  Europas Demokratien zu destabilisieren. Die militärische Durchsetzung einer Flugverbotszone, welche die Eskalation zumindest hätte eindämmen können, wäre heute riskanter für den Weltfrieden als damals, denn Putins Macht und Skrupellosigkeit sind gewachsen, der Westen ist deutlich geschwächt. Er protestiert, bittet und kuscht vor Diktatoren, die Flüchtlinge fernzuhalten vermögen. Aleppo vor Augen können wir nun beten, dass sich wenigstens nicht wieder Churchills Wort an die britische Regierung vom Herbst 1938 bewahrheitet: "Sie hatten die Wahl zwischen Krieg und Schande. Sie haben die Schande gewählt und werden den Krieg bekommen."

Was lernen wir als Christen daraus? Der Katechismus nennt Kriterien für einen gerechtfertigten Einsatz militärischer Gewalt und weist die Beurteilung der Voraussetzungen für die sittliche Erlaubtheit "dem klugen Ermessen derer zu, die mit der Wahrung des Gemeinwohls betraut sind", also sachkundig beratenen, verantwortungsbewussten Politikern. Dies entspricht der Konzilslehre von der "richtigen Autonomie der irdischen Wirklichkeiten". Zur Friedfertigkeit zu ermahnen und um Frieden zu beten ist nie falsch – soweit damit keine politisch-militärischen Kompetenzanmaßungen und Positionierungen verbunden sind, die sich später als unterkomplex und vielleicht sogar kontraproduktiv erweisen. Aus der schrecklichen Anschauung des Gemetzels in Syrien ergeben sich nicht nur Fragen nach dem Zusammenhang von Frieden und Gewaltbereitschaft, sondern auch nach dem Verhältnis von Glaube und Vernunft.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

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