Der stumme Schrei
Mit großen Augen schauen sie mich an. Und es sind große Erwartungen, die unausgesprochen im Raum stehen. Eine 13-Jährige mit ihrem kleinen Bruder schaut aus dem Fenster ihrer Hütte im Dorf Romenie in der Nähe von Port Loko, einer Stadt in Sierra Leone. Wieder einmal sehe ich junge Menschen hart vom Ebola Schicksal getroffen. Die Eltern wurden vor einer Woche tot im Haus geborgen und von Männern in Vollschutzkleidung beerdigt. Seitdem sind die Kinder sich selbst überlassen und haben die Hütte nicht mehr verlassen.
Die meisten der Dorfbewohner sind geflüchtet oder sind am Virus gestorben. Ich versuche im Abstand von fünf Metern Kontakt zu den Kindern aufzunehmen. Sie schauen an mir vorbei, als würden sie mich nicht wahrnehmen. Meine Rufe bleiben unbeantwortet. Ich weine; hocke mich auf einen Holzstumpf. Warum? Warum diese Kinder? Warum kann ich ihnen dieses Leid nicht nehmen?