Der Tod kam auf der Pilgerfahrt
Das Unglück ereignete sich am Vorabend des Festtages des Patrons der galizischen Pilgerstadt und ganz Spaniens, des heiligen Jakobus. Es wird vermutet, dass auch Wallfahrer an Bord des entgleisten Schnellzuges waren.
Am Vormittag wird Ministerpräsident Mariano Rajoy am Unglücksort erwartet. Der Erzbischof des Wallfahrtsortes Santiago, Julian Barrio, bekundete den Verletzten und Hinterbliebenen sein Mitgefühl.
Seit dem 10. Jahrhundert ist Santiago de Compostela ein berühmter Wallfahrtsort. Die Kirche Jakobus des Älteren wurde am 25. Juli 816 eingeweiht. Der 25. Juli ist der Gedenktag des Heiligen, dessen Gebeine um das Jahr 70 zunächst auf den Sinai und schließlich im 8. Jahrhundert zum Schutz vor den Sarazenen nach Spanien gebracht worden sein sollen.
Am Wochenende sollte in dem international bekannten Pilgerort ein großes Fest stattfinden. Nach dem Unglück wurden die Feiern mittlerweile abgesagt.
Politik und Kirche kondolieren
Auch Papst Franziskus hat sich betroffen über das Bahnunglück mit vielen Toten in Spanien gezeigt. Der Papst sei über den Unfall informiert worden, im Schmerz mit den Familien und Angehörigen der Opfer verbunden und bete für sie, sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi am Mittwochabend (Ortszeit) in Rio de Janeiro, wo sich Franziskus bis Sonntag anlässlich des Weltjugendtages zu seiner ersten Auslandsreise aufhält. Lombardi bat vor Beginn der täglichen Pressekonferenz um eine Gedenkminute für die Opfer des Schnellzug-Unglücks.
Bischof Gebhard Fürst von Rottenburg-Stuttgart hat seinem Amtsbruder Erzbischof Julian Barrio sein Beileid ausgesprochen. Er sei in Gedanken und Gebeten mit den Opfern, schreibt Bischof Fürst in einem Kondolenzbrief an Barrio.
Die Diözesen Rottenburg-Stuttgart und Santiago de Compostela sind auf vielfältige Weise verbunden. Die Diözesanwallfahrt 2008 führte mit über 400 Teilnehmern über wichtige Pilgerorte des Jakobswegs zur Kathedrale von Santiago. Auf Initiative der württembergischen Diözese und der im Jahr 2000 gegründeten Jakobusgesellschaft wurde in dem galizischen Wallfahrtsort eine inzwischen von der Deutschen Bischofskonferenz geförderte Seelsorgestelle für deutschsprachige Pilger eingerichtet.
In einem Schreiben an den spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy drückte Bundeskanzlerin Angela Merkel ihr Beileid aus. "Ich möchte Ihnen und Ihren Landsleuten in diesen Stunden des Schmerzes die Anteilnahme der Menschen in Deutschland und mein ganz persönliches Mitgefühl ausdrücken", so Merkel. (meu/KNA/dpa)