Deutsche und polnische Geistliche bestürzt über Oder-Fischsterben
Die Kirchen auf beiden Seiten der Oder haben sich bestürzt über das massenhafte Fischsterben in dem deutsch-polnischen Grenzfluss geäußert. "In diesen Tagen sind wir voller Trauer wegen des Massensterbens des Fischbestands in der Oder. Sie ist unser gemeinsamer Naturschatz, den wir gemeinsam an beiden Ufern erleben", heißt es in einer am Montag veröffentlichten Erklärung von leitenden evangelischen und katholischen Geistlichen aus Bistümern und Landeskirchen entlang des Flusses.
"Wir denken an alle, die diese schwere Aufgabe bewältigen müssen"
Die Bilder der verendeten Fische bewegten Menschen auch weit über die Oder-Region hinaus. Und weiter: "Wir denken an alle, die beruflich und ehrenamtlich diese schwere Aufgabe bewältigen müssen und beten für sie." Zu den Unterzeichnern der Erklärung gehören unter anderem der Berliner Erzbischof Heiner Koch, der Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Christian Stäblein und der Oberhirte des polnischen Bistums Zielona Góra-Gorzów, Bischof Tadeusz Lityński.
Die Kirchen auf beiden Seiten der Oder vereine das Anliegen, dass alle erforderlichen Bemühungen zur Bewahrung der Umwelt unternommen würden. Nach vielen Jahren, in denen die Oder Deutschland und Polen getrennt habe, "haben wir uns als Christinnen und Christen in den letzten Jahrzehnten dafür eingesetzt, dass die Oder ein deutsch-polnischer Fluss ist, der Menschen in einem gemeinsamen Kulturraum verbindet". Man sei dankbar, dass der Fluss auch wieder ein Lebensraum für viele Fisch- und Pflanzenarten geworden sei.
Fischsterben wurde am 9. August in Deutschland bekannt
Zugleich betonten die Geistlichen, dass sie die Notwendigkeit von unaufhörlichen Bemühungen zum Schutz der natürlichen Umwelt anerkennen würden: "Wir wenden uns an alle Menschen guten Willens, um mit gemeinsamem Engagement die Wiederherstellung der Flora und Fauna in der Oder und in ihrem Naturraum zu ermöglichen." Gleichzeitig sehe man die Möglichkeit und Notwendigkeit einer gesellschaftlichen und materiellen Unterstützung der Bemühungen für die Oder und die mit ihr verbundene Infrastruktur.
Das massenhafte Fischsterben in der Oder wurde auf deutscher Seite am 9. August bekannt. Die deutschen Behörden warfen Polen zuletzt vor, sie zu spät informiert zu haben. Bei der Ursachenforschung werden derzeit nach Angaben des Bundesumweltministeriums Hunderte von Stoffen in den Fischen untersucht. Wissenschaftlern zufolge könnte eine giftige Algenart ein entscheidender Faktor für das Fischsterben sein. Nachgewiesen ist das aber noch nicht. Derzeit werden noch andere Stoffe untersucht. (stz)