Die Frage nach der Existenz
So unterschiedlich diese beiden Geschichten sind, so sehr verbindet sie die Frage nach der menschlichen Existenz. Raoul Löbbert und Marc Wiese, die beiden Journalisten, die sie aufgezeichnet haben, wurden am Montagabend mit dem Katholischen Medienpreis ausgezeichnet.
Löbbert, stellvertretender Redaktionsleiter von "Christ __amp__ Welt", und der Fernsehjournalist Wiese brächten in "besonderer Weise menschliche Grenzerfahrungen zum Ausdruck", erklärte Medienbischof Gebhard Fürst bei der Preisverleihung.
Fürst: Religion sucht nach neuem Leben
Sie hätten Beiträge verfasst, die danach fragten, wie man nach Erlebtem seinen eigenen Frieden finden könne. Ein Bezug zum christlichen Glauben war da schnell hergestellt: "Es ist seit jeher Aufgabe der Religion, der Verzweiflung und Sprachlosigkeit Ausdruck zu verleihen und trotz der Aussichtslosigkeit neues Leben zu finden", so Fürst. Das Kommunikationsmittel der Religion dafür sei die Bibel als "reflexionsstarker und mit verdichteten Menschenerfahrungen gesättigter Text".
In seiner Ansprache setzte sich Fürst als Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz auch mit aktuellen Entwicklungen im Medienbereich auseinander. So begrüßte er das Aufeinander-Zugehen von Gedrucktem und Digitalem. Andererseits müssten alle Medienkonsumenten lernen "dass Präzisionsjournalismus Geld im Internet kostet, auch das aus unserer eigenen Tasche", so der Bischof von Rottenburg-Stuttgart.
Welchen Wert hat menschliches Leben?
Raoul Löbberts Reportage "Die Gnadenabteilung" ist in der Beilage "Christ __amp__ Welt" der "Zeit" erschienen. Ulrich Lüke, Chefkorrespondent des Bonner "General-Anzeiger" würdigte den Text als "eine Reportage, die den Leser mitnimmt im doppelten Sinne des Wortes, die ihn ergreift". Löbbert schildere die Ereignisse, als seien sie gerade erst geschehen. "Er sagt, was war. Und diese Wirklichkeit ist eindringlicher als jeder Kommentar", so Lüke.
Die Reportage über das Schicksal behinderter Kinder im Nationalsozialismus sei voll von Themen, die es wert seien, auch heute noch beachtet zu werden: "Welchen Wert hat menschliches Leben? Welchen Umgang mit behinderten Menschen pflegen wir heute? Wie schnell machen wir uns schuldig, allein schon dadurch, dass wir wegschauen?".
Die Jury, die den Katholischen Medienpreis vergeben hat, würdigt, Löbbert habe "bei allem Schrecken der damaligen Ereignisse damit auch das Anliegen verdeutlicht, dass jeder aufmerksame und wertebewusste Staatsbürger einen Beitrag für eine menschenwürdigere Welt leisten kann".
Jury bezeichnet Wieses Beitrag als "Meisterwerk"
Der Fernsehbeitrag "Camp 14 – Total Control Zone" von Marc Wiese wurde auf "ARTE" gezeigt. Shin Dong-hyuk hatte ein Leben außerhalb dieses berüchtigten Lagers nicht kennengelernt, bis ihm die Flucht aus Nordkorea gelang. Nach Auffassung der Jury ist Wiese ein Meisterwerk gelungen, das den Zuschauer mit der Frage nach Menschlichkeit in einem unmenschlichen System konfrontiert. "Er zeigt, dass Zuwendung und Liebe nicht als genetisches Programm im Menschen angelegt sind, sondern in einem Sozialisationsprozess wachsen", heißt er in der Begründung für die Vergabe des Preises.
Es ist seit jeher Aufgabe der Religion, der Verzweiflung und Sprachlosigkeit Ausdruck zu verleihen und trotz der Aussichtslosigkeit neues Leben zu finden
Bischof Gebhard Fürst
In seiner Laudatio betonte Peter Frey, Chefredakteur des ZDF: "Der Film lässt Luft, macht nachdenklich über dieses Regime in Nordkorea, das in vielen Berichten von uns vielleicht eher als surreal wahrgenommen wird." Dass das Land aber in Wahrheit eine brutale Diktatur sei, ein menschenverachtendes Regime, vergesse man manchmal. "Wer diesen Film gesehen hat, versteht, warum es sich lohnt für Demokratie, für Menschenrechte und für Freiheit zu kämpfen", so Frey.
Der Katholische Medienpreis ist in den beiden Kategorien Printmedien und Elektronische Medien jeweils mit 5.000 Euro dotiert. Er wird seit 2003 jährlich von der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Kooperation mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM) vergeben. Die Preisträger wurden aus 241 Beiträgen ausgewählt. Der sechsköpfigen Jury gehörten unter anderem Andrea Rübenmacher, Leiterin des Bereichs Asien der Deutschen Welle und Stefan Kläsener, Chefredakteur der Westfalenpost in Hagen an. Die Jury stand unter der Leitung von Bischof Gebhard Fürst.
Von Gabriele Höfling
Die Deutsche Bischofskonferenz hat im Internet alle wichtigen Informationen über den Katholischen Medienpreis und die diesjährigen Preisträger zusammengestellt. Unter anderem finden dort die jeweiligen Biografien und kurze Videos, die Raoul Löbbert und Marc Wiese vorstellen.