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Schwestern kämpfen um ihr Restaurant

Die kochenden Nonnen von Lima

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Die Schwester stehen mittem im Speiseraum und beten. Mehrere Gästen hören zu.
Lima - Eine gastronomische Institution und eine spirituelle Oase inmitten der hektischen Altstadt Limas - das ist das von französischen Schwestern geführte Restaurant "L'Eau Vive". Aber nicht mehr lange, ginge es nach der Erzdiözese Lima: Sie möchte das historische Gebäude anderweitig nutzen. Nur mit dem Widerstand der Nonnen und dem Protest der treuen Kundschaft hat sie nicht gerechnet.

Wer durch die schwere Holztür des '"L'Eau Vive" tritt, lässt das Gewusel, das Stimmengewirr und das Chaos der peruanischen Hauptstadt hinter sich. Wie eine andere Welt erscheinen die hohen Räume.

Liebevoll restauriert sind die Holzdecken und Innenhöfe, auf die sich die fünf Speisesäle verteilen. Der einzige Schmuck an der Wand sind Bilder der Heiligen Rosa von Lima und der Jungfrau vom Karmel. Die Tische und Stühle aus braunem Hartplastik erinnern an die schlichte Eleganz eines klösterlichen Speisesaals.

Die Speisekarte ist französisch. Gebracht wird sie von einer französischen oder afrikanischen Schwester, die den Gast nach seinem Wohlbefinden fragt und zum traditionell gemeinsamen Singen des Ave Maria einlädt. Wer hierherkommt, tut nicht nur seinem Magen, sondern auch seiner Seele Gutes. Gäste werden für einen Abend Teil der Gemeinschaft.

Als Marie-Josephe Perriot vor 35 Jahren nach Lima kam, stand sie vor Ruinen. Die junge Laienschwester der "Missionsarbeiterinnen der Unbefleckten Empfängnis" sollte in der peruanischen Hauptstadt ein kleines Cafe aufmachen, als einen Ort der missionarischen Begegnung. Solche Lokale unterhielt ihre Gemeinschafte unter dem Namen "L'Eau Vive" bereits in Frankreich, Italien und Argentinien.

Drei Jahre Renovierung

Die Erzdiözese Lima überließ der Gemeinschaft ein Gebäude in enger Nachbarschaft zu ihrem Palais. Wie die meisten historischen Häuser der Altstadt war auch dieses halb verfallen und praktisch unbenutzbar. Marie-Josephe Perriot und ihre argentinische Mitschwestern renovierten drei Jahre, bevor sie 1981 das Restaurant einweihen konnten.

Für die heute 73-Jährige ist die Geschichte des "L'Eau Vive" ein Abbild des Niedergangs und Wiederaufstiegs der historischen Altstadt Limas: In den 70er und 80er Jahren verließen die wohlhabenden Bürger ihre Gebäude und machten Händlern, Schmugglern, Kleinkriminellen und Guerrilla-Kämpfern Platz.

Marie-Josephe Perriot steht in ihrem Restaurant.
Ist seit 35 Jahren in Lima: Marie-Josephe Perriot.

"Mehrmals fanden unsere Gäste nach dem Essen ihre geparkten Autos ohne Reifen vor", sagt Schwester Marie-Josephe. Oft gab es Stromausfälle, wenn die Terrorgruppe "Leuchtender Pfad" mal wieder einen Strommast in die Luft gejagt hatte, und die Gäste saßen samt Köchinnen im Dunkeln.

Es war die Zeit, in der die Altstadt immer mehr herunterkam. Erst in den vergangenen Jahren bessert sich Limas Image. Alte Herrschaftshäuser werden stilgerecht wieder aufgebaut, eine neue Fußgängerzone lädt zum Schlendern ein. Investoren entdecken, dass man mit den Grundstücken und Häusern der Altstadt Geld verdienen kann - so auch die Erzdiözese Lima.

Im vergangenen September bekam Marie-Josephe Perriot eine Vorladung nach nebenan, ins erzbischöfliche Ordinariat. Nach all den Jahrzehnten brauche die Kirche das Gebäude nun für andere Zwecke, wurde ihr mitgeteilt. Ein ihnen angebotenes Haus lehnten die Schwestern ab; sie fanden es in einem zu schlechtem Zustand.

Räumungsklage erhoben

"Wir bedauern diese Situation sehr", sagt der Immobilien-Anwalt der Erzdiözese. Doch die symbolische Miete, die die Schwestern heute zahlten, sei für die 1.500 Quadratmeter zu wenig. "Uns blieb nichts anderes übrig, als eine Räumungsklage gegen die Schwestern zu erheben", sagt der Anwalt. Welcher Mietpreis angemessen sei oder welche neuen Pläne die Bistumsleitung mit dem Gebäude hat, dazu gibt es keine Auskunft.

Schwester Marie-Josephe und ihre elf Mitschwestern schwanken zwischen Widerstandslust, Angst und Hoffnung, dass sie doch noch in ihrem Restaurant bleiben können. "Unsere Gäste haben Unterschriften für unseren Verbleib gesammelt", erzählt Schwester Marie-Josephe.

Einflussreiche Namen wie die Diplomaten des benachbarten Außenministeriums oder die Journalisten der großen peruanischen Tageszeitungen sind darunter. Sie alle hoffen, dass die Erzdiözese Lima Gnade vor Profit gelten lässt.

Von Hildegard Willer (KNA)

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