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Das Weltwirtschaftsforum hat wieder in Davos getagt – eine Einschätzung

Die Macher und der Markt

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Eine Diskussionsveranstaltung beim Weltwirtschaftforum 2013 in Davos.
Bonn - Einmal im Jahr scheint sich die Erdachse zu verlagern. Für wenige Tage dreht sich der Globus dann um einen mondänen Wintersport- und Kurort in den Schweizer Alpen. In Davos tagt alljährlich zu Jahresbeginn das 1971 vom deutschen Wirtschaftswissenschaftler Klaus Schwab gegründete und immer noch von ihm geleitete Weltwirtschaftsforum.

In diesem Jahr haben sich vom 22. bis zum 27. Januar in Davos etwa 2.500 Entscheidungsträger und Wissenschaftler aus mehr als 100 Ländern versammelt, um in Foren, Vorträgen und informellen Gesprächen an der Verbesserung der Welt zu arbeiten. Sie ist das selbst gesteckte Ziel jener Stiftung, die neben der Zentrale im schweizerischen Coligny inzwischen auch Zweigstellen in New York, Beijing und Tokio unterhält.

Anders als etwa die Vereinten Nationen, die ebenfalls die Zukunft der Welt sichern und verbessern wollen, ist das Weltwirtschaftsforum allerdings keine Vereinigung von Staaten. Es ist vielmehr eine private und von ihren Mitgliedern finanzierte Organisation, der nach eigenen Angaben die eintausend führenden Unternehmen dieser Welt angehören.

Die Frage der Legitimation

Diesem illustren Kreis kann man deshalb nicht einfach beitreten: Beitrittswillige, von denen internationale wirtschaftliche Aktivitäten und ein Jahresumsatz von fünf Milliarden US-Dollar erwartet werden, haben zunächst ihre ökonomischen Daten zur Prüfung in die Schweiz zu schicken, wo dann über ihre Aufnahme entschieden wird.

Genau diese Orientierung am unternehmerischen Erfolg ist es, die dem Weltwirtschaftsforum die Kritik eingetragen hat, trotz seiner hehren Ziele vorrangig eine Einrichtung zu sein, die sich ohne demokratische Legitimation in ihren Visionen für die Zukunft der Welt vor allem an einem auf Gewinn ausgerichteten Marktmodell ausrichtet.

Diese Einseitigkeit ist es, die beispielsweise das evangelische Hilfswerk 'Brot für die Welt' veranlasste, in einem Gebet zu formulieren, Davos sei "kein Ort der Hoffnung für die Armen" und die den amerikanischen Philosophen und Wirtschaftsethiker Michael Sandel bitter feststellen ließ: "Die Marktgläubigkeit der letzten drei Jahrzehnte hat eine moralische Leere der Politik geschaffen, die Fragen nach dem guten Leben aus der Öffentlichkeit verdrängt hat."

Zerbrechliches Gut

In einem Report zur Zukunft der Gesundheitsversorgung lässt das Forum etwa den deutschen Gesundheitsminister Daniel Bahr undiskutiert, das Gesundheitssystem Deutschlands sei entscheidend dafür, dass dieses Land auch künftig eine herausragende und weiter wachsende Rolle in der Weltwirtschaft spielen könne. Das beraubt die Frage nach möglichst guter Gesundheit für möglichst viele Menschen jeder moralischen Dimension. Ein in jedem Sinne lebenswichtiges Gut wird so auf eine schlichte Ressource reduziert, die für das langfristige Funktionieren von Unternehmen unabdingbar ist.

Ein internationales, ohne jeden Zweifel hochkarätig besetztes Forum wie das von Davos ist sicher hilfreich, wenn es darum gehen soll, die Probleme dieser Welt zu lösen. Es verspielt jedoch ebenso sicher zumindest einen Teil seiner Glaubwürdigkeit, wenn die wesentliche Zugangsvoraussetzung zu ihm wirtschaftlicher Erfolg und unternehmerische Findigkeit sind.

Gerade die krisenhaften Entwicklungen der letzten Jahre mit ihren Abstürzen und Zusammenbrüchen nicht nur im internationalen Finanzsystem sollten deutlich gemacht haben, dass die Zukunft unseres Planeten ein viel zu wertvolles und zerbrechliches Gut ist, um sie allein in die Hände von Bankern und Managern zu legen.

Von Uwe Bork

(Uwe Bork ist Leiter der Fernsehredaktion "Religion, Kirche und Gesellschaft" des Südwestrundfunks)

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