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Der Würzburger Arzt Joost Butenop über die Zustände im irakischen Erbil

"Die Ressourcen sind erschöpft"

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Ein UNO-Flüchtlingslager im Nordirak.
Erbil/Würzburg - Die enorme Hilfsbereitschaft und das relativ hohe Niveau sind beeindruckend", sagt Joost Butenop am Telefon. Der Würzburger Arzt hält sich aktuell im christlichen Stadtteil Ainkawa der kurdischen Stadt Erbil im Nordirak auf. Für Malteser international erkundet er dort die Lage, als Vorbereitung für einen Hilfseinsatz.

30.000 Einwohner hat Ainkawa. Dazu kommen etwa weitere 17.000 Flüchtlinge - geschätzt. Denn genau kann das laut Butenop niemand sagen. Für die 1,5-Millionen-Stadt Erbil selbst schwanken die Zahlen zwischen 100.000 und 1 Million Vertriebene.

Joost Butenop im Porträt
Arzt Joost Butenop setzt sich im Auftrag des Würzburger Missionsärztlichen Instituts im Irak für Flüchtlinge ein (Archivaufnahme).

Der Arzt vom Würzburger Missionsärztlichen Institut hat schon einige Katastrophenregionen besucht, etwa Haiti nach dem schweren Erdbeben 2010. In Erbil sei die Grundversorgung relativ gut, vor allem auch im christlichen Stadtteil, sagt der Experte. Medizinische Teams leisteten eine Basisversorgung nach internationalen Standards. Außerdem sorgten Spenden für die nötigen Medikamente und sonstige Hilfsgüter. "Doch die ehrenamtlichen Kräfte kommen an ihre Schmerzgrenze, die Ressourcen sind erschöpft." Denn es war Anfang August, als die meisten Menschen vor der Terrorgruppe " Islamischer Staat " (IS) flohen.

46 Grad im Schatten

Eine Herausforderung stellen vor allem die Wasserversorgung und die sanitäre Ausrüstung dar. Viele Flüchtlinge seien auf den Grundstücken von Kirchen untergekommen, etwa auch in jenem Gotteshaus, das Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) am Samstag besuchte. 46 Grad im Schatten am Tag, in der Nacht sind es noch 30 Grad. Die vorhandenen Toiletten und Duschen reichten nicht aus. Zunehmende Haut- und Durchfallerkrankungen bei Flüchtlingen seien die Folge. Vor allem Kinder und alte Menschen litten unter der Hitze.

Außerdem würden die Helfer mit den Zivilisationskrankheiten Diabetes und Bluthochdruck konfrontiert - Krankheiten, auf die die Nothilfe bisher nicht so gut vorbereitet ist. Für den Arzt ist dies ein Beleg dafür, wie weit die Entwicklung im Irak eigentlich schon fortgeschritten war und nun von der IS zunichtegemacht wurde. Die Menschen hätten oft auf der Flucht nicht mehr bei sich gehabt als das, was sie am Leib trugen. Denn meist blieb ihnen kaum eine Stunde, um ihre Häuser zu verlassen. Auch die Fluchtwege machten die Verzweiflung deutlich, etwa wenn manche zunächst im Bürgerkriegsland Syrien Sicherheit suchten.

Wasser- und Gesundheitsprogramme

Positiv bewertete der Katastrophenexperte die internationale Hilfe. Die Vereinten Nationen seien stark vertreten. Auch die ersten Hilfsgüter der Bundesregierung seien bereits im Nordirak eingetroffen. Malteser international planen, internationale Experten zu entsenden, um Wasser- und Gesundheitsprogramme aufzulegen. Dabei können sie auf die Mitarbeiter eines lokalen Partners zurückgreifen, die ebenfalls aus den von der IS besetzten Gebieten fliehen mussten.

Die ehrenamtlichen Kräfte kommen an ihre Schmerzgrenze

Arzt Joost Butenop

Die nötigen Hilfsmittel könnten nahezu alle vor Ort beschafft werden, berichtet Butenop. Die bisher ehrenamtlich arbeiteten Ärzte, Apotheker und Krankenpfleger aus dem Kreis der Flüchtlinge erwiesen sich ebenfalls als Unterstützung. Das Projekt sei im Übrigen nicht auf Erbil beschränkt. "Wir wollen den Menschen dann hinterher gehen, wenn sie zurück in ihre Dörfer können und es die Sicherheitslage erlaubt."

Mossul liegt nur eine Autostunde entfernt

Wie genau es an der 40 bis 50 Kilometer entfernten Front aussieht, weiß der Würzburger nicht. Vom Krieg gegen die IS-Milizen ist in Erbil wenig zu spüren. "Die Menschen hier haben einen ganz normalen Tagesablauf." Und das, obwohl die mittlerweile von den Islamisten eroberte Stadt Mossul nur eine Autostunde entfernt ist. Lediglich in den Kliniken sei der Krieg allgegenwärtig, erzählt Butenop. "Die Krankenhäuser sind voll mit verwundeten kurdischen Peschmerga-Kämpfern."

Von Christian Wölfel (KNA)

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