Ehrung für den Bonhoeffer Äthiopiens
Auch der für die Kirchen zuständige Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler werden anreisen. Der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck wird nicht zugegen sein. Seit Sonntag besucht er Äthiopien.
Es ist die erste Afrikareise des vor einem Jahr ernannten Bundespräsidenten. Zentrale Themen der Reise sind die Frage der Menschenrechte sowie das Verhältnis von Christen und Muslimen. Seit rund einem Jahr gibt es Proteste der Muslime gegen die Regierung. Sie kritisieren, dass sie durch die Regierung angeblich in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt werden.
Traditionell friedliches Zusammenleben
Die Muslime, die in Äthiopien traditionell friedlich mit den Christen zusammenleben, bilden eine starke Minderheit (35 Prozent). Die größte Religionsgemeinschaft im Land ist die äthiopisch-orthodoxe Kirche. Sie zählt zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen, zu denen auch die ägyptischen Kopten und die Armenier zählen. Rund 20 Prozent der etwa 80 Millionen Äthiopier sind evangelisch und weniger als ein Prozent sind katholisch.
Bei seiner Ankunft in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba würdigte Gauck die Fortschritte bei der Demokratisierung Afrikas. "In Afrika wächst etwas", sagte er am Sonntagabend. Er verwies darauf, dass neben den Schatten auch das Licht auf dem Kontinent gesehen werde müsse.
Kritik von Menschenrechtsorganisationen
In seiner Rede vor der Afrikanischen Union (AU), die ihren Sitz in Addis Abeba hat, sagte Gauck am Montag: "Afrika muss besondere Herausforderungen überwinden und den afrikanischen Weg zur Demokratie finden." Er forderte, dass sich die demokratisch gewählten Regierungen der Kontrolle durch starke Parlamente stellen sollten. Zudem äußerte er sich zu Menschenrechtsfragen wie weiblicher Genitalverstümmelung und der Verfolgung Homosexueller. "Menschenrechtsverletzungen sind für mich nicht mit dem Verweis auf kulturelle Traditionen zu rechtfertigen", sagte Gauck.
Fehlende demokratische Rechte waren zuletzt auch von Menschenrechtsorganisationen beklagt worden. Die Heinrich-Böll-Stiftung hatte im vergangenen Jahr aus Protest gegen die umstrittene Menschenrechtsgesetzgebung ihr äthiopisches Landesbüro geschlossen. Das UN-Abkommen gegen Folter werde nicht umgesetzt und es gebe keine Medien-und Meinungsfreiheit, so die Vorwürfe.
Vor der AU begrüßte Gauck die Zunahme an Presse- und Versammlungsfreiheit in Afrika. Der Bundespräsident würdigte ausdrücklich den Einsatz der AU für Frieden und Versöhnung auf dem Kontinent, wie zuletzt in Mali.
Tumsu - der äthiopische Bonhoeffer
Am Montagmorgen besuchte der Bundespräsident nach seinem Gespräch mit dem äthiopischen Präsidenten, Girma Wolde-Giorgis, das Grab des evangelischen Kirchenführers Gudina Tumsu. Der langjährige Generalsekretär der evangelischen Kirche in Äthiopien war 1979 nach einem Gottesdienst von Soldaten der sozialistischen Militärdiktatur entführt und ermordet worden. Gauck würdigte Tumsu, der auch als äthiopischer Dietrich Bonhoeffer gilt, mit den Worten: "Wir ehren einen Märtyrer".
Am Dienstag will Gauck die weltberühmten Felsenkirchen aus dem 12. Jahrhundert im Norden des Landes besuchen. (mit Material von KNA und dpa)
Von Tobias Schrörs