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Walter Brüggemann stellt seine Stadt vor

Ein deutlicher Unterschied

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Cañete - Seit fünf Wochen arbeitet Walter Brüggemann bereits als Projekt-Koordinator in einem Kinderdorf in Peru. In der Zeit hat er schon einiges erlebt: von der Arbeit auf dem Feld bis hin zu dem Versuch einen Backofen zu organisieren. So langsam fängt er an, sich einzuleben in der Stadt, die für das nächste Jahr seine Heimat sein soll. Ein guter Zeitpunkt also, seinen derzeitigen Lebensmittelpunkt - Cañete - ein bisschen genauer unter die Lupe zu nehmen.

San Vicente de Cañete ist eine kleine Stadt in Peru mit rund 30.000 Einwohnern. Sie liegt etwa 140 Kilometer südlich von Lima, der Hauptstadt Perus. Mit dem Bus, der rund um die Uhr in kurzen Abständen die beiden Städte miteinander verbindet, dauert es ungefähr 2,5 Stunden.

Das Volk Huarcos war das erste, dass das Land besiedelte. Es wurde von den Inkas besiegt und in ihr Reich eingegliedert. Nach der Eroberung des Inka-Reiches durch spanische Konquistadoren gründete der Vizekönig von Peru, Andrés Hurtado de Mendoza, im Auftrag des spanischen Königs 1556 den Ort San Vicente neu, der den Beinamen de Cañete erhielt, da Hurtado de Mendoza Markgraf von Cañete bei Cuenca in Spanien war.

Heute wird das Land von den Nachfahren der einstigen Sklaven besiedelt, die dort in den Baumwollplantagen Zwangsarbeit in den Baumwoll-, Zuckerrohr- und Weintraubenplantagen leisteten. Die Vergangenheit ist auch heute noch sichtbar, denn immer noch ist San Vicente de Cañete Zentrum eines großen Baumwollanbaugebietes. Es handelt sich um eine ländliche und arme Region, die von Landwirtschaft, Fischfang und Baumwolle lebt. Fast alle Kinder hier im Kinderdorf stammen aus dieser Region.

Diese Gefährte sind im Stadtzentrum von Cañete immer wieder zu sehen: Die sogenannten Motos (Dreiradtaxis).

Gruseliges Erlebnis in der "Calle de perros"

Aufgrund der Nähe zum Pazifischen Ozean gibt es hier zahlreiche Strände, die ich aber aufgrund der Jahreszeit noch nicht besucht habe, immerhin hat gerade erst der Frühling begonnen. Einer der schönsten soll der Strand des alten Fischerdorfes Cerro Azul sein. Auch das Tal von Lunahuaná, einem anderen Distrikt, mit dem reißenden Fluss und gleichnamigen Namen der Provinz Cañete, soll sehr attraktiv für Abenteuersportler sein, aber auch für den Touristen im allgemeinen.

Das Kinderdorf "Casa Santa Rosa" liegt etwas zehn Gehminuten vom Stadtzentrum entfernt, am Rand von San Vicente. Neben dem Gelände des Kinderdorfes grenzt ein Armenviertel an. Es ist mir nur einmal passiert, die Straße, die an dem Armenviertel vorbeiführt, im Dunkeln zu benutzen. Sie heißt nicht umsonst "Calle de perros" ("Straße der Hunde"). Ich sah mich in einem Abschnitt dieser Straße plötzlich sechs oder sieben Hunden gegenüber – darunter nicht gerade freundlich aussehende Exemplare. Meine Entscheidung, mir meine Angst nicht anmerken zu lassen und normal meinen Weg weiter zu gehen, war wohl die richtige. Die Hunde begleiteten mich aber noch ein Stück, ließen mich aber in Ruhe.

Kontakt zu Walter Brüggemann

Haben Sie Fragen oder Anmerkungen? Wenn Sie Walter Brüggemann schreiben möchten, erreichen Sie ihn unter brueggemann.walter@icloud.com

Nutzt man die Hauptstraße in Stadtzentrum - was ich seit diesem Vorfall nur noch mache - so trifft man zahlreiche Dreiradtaxis, sogenannte Motos, die einen für ein bis zwei Soles überall in der Stadt hinfahren. Das entspricht umgerechnet einer Summe zwischen 25 bis 50 Cent. Das Zentrum wird vom Markt geprägt, den wir meistens nach dem Gottesdienst am Sonntag besuchen, um für uns, aber auch manchmal für einige uns begleitende Kinder eine Kleinigkeit zu kaufen.

Das Zentrum von Cañete wird vom Markt geprägt, den Walter Brüggemann und seine Kollegen meistens nach dem Gottesdienst am Sonntag besuchen, um für sich, aber auch für die Kinder eine Kleinigkeit zu kaufen.

Vergleicht man die Straßenverhältnisse und überhaupt diese Kleinstadt mit einer Stadt in Deutschland, so ist der Unterschied in der Infrastruktur und dem Leben hier sehr drastisch! Aber diese Erfahrung gehört eben zu meiner Zeit hier im Kinderdorf dazu – und ich bin dankbar dafür.

Doch ein Gedanke, der sich mir immer wieder aufdrängt, ist die Tatsache, dass Peru ein klassisches Erdbebenland ist. Die letzte große Erdbebenkatastrophe sucht die Region Cañete 1970 heim. Die Stadt Pisco, die etwa 120 Kilometer südlicher liegt wurde zu 70 Prozent zerstört, mehr als 50.000 Menschen verloren ihr Leben. Grund für das hohe Erdbebenrisiko ist die Nazca-Platte, die sich unter die südamerikanische Kontinentalplatte schiebt. Das passiert mit einer mittleren Geschwindigkeit von etwa zehn Zentimetern pro Jahr. So kommt es in der Region regelmäßig zu Erdbeben. Ich selbst habe hier in den fünf Wochen einmal während meiner Arbeit im Büro ein Schwanken der Erde miterlebt - ein merkwürdiges Gefühl, was aber bei Eveling und Amalia, meinen peruanischen Kolleginnen, mit denen ich das Büro teile, zu keiner merklichen Reaktion führte. Offensichtlich ist man so etwas hier gewöhnt.

Ich will mich in meiner Funktion als Projekt-Koordinator dennoch einmal erkundigen, inwieweit wir hier im Kinderdorf eigentlich auf eine größere Erdbebenkatastrophe eingerichtet sind oder ob es hier vielleicht Bedarf für ein Spendenprojekt gibt, um für eine solche Katastrophe Vorsorgemaßnahmen treffen zu können.

Von Walter Brüggemann

Die Hilfsorganisation

Die Hilfsorganisation Nuestros Pequeños Hermanos (Unsere kleinen Brüder und Schwestern) wurde 1954 in Mexiko vom US-amerikanischen katholischen Priester William Wasson gegründet. Das Kinderhilfswerk unterhält Waisenhäuser in mehreren Staaten Lateinamerikas und der Karibik und wird unter anderem vom katholischen Kindermissionswerk "Die Sternsinger" unterstützt.

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