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Die Trappisten von Tre Fontane ziehen auch junge Menschen an

Eine Abtei bei Rom zeigt: Weniger ist manchmal mehr

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Rom - Die Kirchenkrise hat längst auch traditionsreiche Klöster erfasst. Aber an manchen Stellen gibt es kleine, frische Blüten. Eine davon liegt gleich neben dem römischen Verkehrschaos.

In Italien sind Gottesdienste oft laut und lebhaft, manchmal ein wenig chaotisch und nur streckenweise besinnlich. Aber es gibt Ausnahmen, und auch die ziehen Menschen an. Eine davon findet sich in einem Stadtviertel Roms, das von vier- oder sechsspurigen Autostraßen geradezu zerschnitten wird. In Süden der Metropole, auf halber Strecke zwischen Stadtzentrum und Autobahnring, liegt unweit des quirligen Vergnügungsparks "Luneur" eine Oase der Stille und des Gebets.

Wer sich durch die verschlungene Wegführung bei Google Maps seinen Weg dorthin gebahnt hat, findet sich nach einem steinernen Tordurchgang auf einer schattigen Allee. Die führt auf einen Platz, auf dem ein letztes Mal Autos parken. Von dort ermöglicht ein weiterer, diesmal romanischer Porticus den Zugang zu einem gänzlich autofreien, grasbewachsenen Innenhof. Von hier sind gleich drei Kirchen zu sehen, die auf dem "drei Quellen" genannten Gelände stehen.

Hier ist es so ruhig, dass das Gemurmel des Wassers in einem Brunnen, der an das Martyrium des Apostels Paulus erinnert, mühelos das Grundrauschen von Hunderten Automotoren in der Ferne übertönt. Hier lassen sich manche Besucher zum ersten Mal nieder und versuchen, etwas vom Geist dieses besonderen Ortes sinnlich einzufangen. Aber sie sind noch lange nicht im Zentrum angekommen.

Besucher müssen schweigen

Die durch ihr Alter und ihre Einfachheit auffälligste der drei Kirchen, die den Heiligen Vincenz und Anastasius geweihte romanische Basilika, lädt ein zu mehr. Gleich in sechs Sprachen, darunter auch Russisch und Chinesisch, wird im Aushängekasten "Silenzio" (Schweigen) eingefordert – und das Ausschalten der allgegenwärtigen Handys.

Im Inneren empfängt die Besucher eine architektonische Schlichtheit, wie sie in Rom nur selten anzutreffen ist. Dazu ein Spiel von Licht und Dunkelheit, das vom warmen Sonnenlicht der einfachen Fenster lebt. Und wieder gibt es eine Tür, die zu durchqueren wäre, doch sie ist (noch) geschlossen. Vor und hinter dem gusseisernen Gitter stehen Kirchenbänke in Reih und Glied, das Licht fällt auf den unzugänglichen Altarraum mit dem Chorgestühl.

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Ein Trappistenmönch verbeugt sich vor dem Altar der romanischen Basilika der Abtei Tre Fontane.

Ein dreifacher Glockenschlag durchbricht die Stille, dann nähert sich der erste Mönch in der schwarz-weißen Ordenstracht der Trappisten der Altarstufe, verbeugt sich tief und geht schweigend zu seinem Platz. Weitere Mönche folgen, dann auch einige Nonnen in gleicher Tracht. Nun erst öffnet einer der Mönche die Gittertür und lädt mit einer schweigenden Geste die Besucher ein, näherzutreten. Manche sitzen nur wenige Meter vom Chor der Beter entfernt, ein Klopfen des Priors auf dem hölzernen Gestühl gibt das Startzeichen zum monoton-melodischen Psalmenwechselgesang.

Frischer Chorgesang

Der aus männlichen und weiblichen Stimmen gemischte Chor klingt ungewohnt, wenn man klassische gregorianische Gesänge kennt, aber auch frischer. An einer kleinen Orgel begleitet Pater Emanuele mit wenigen Akkorden die Singenden. Ganz am Ende, nach Fürbitten und Marienhymnus, verlassen die Mönche und Nonnen nacheinander schweigend den Altarraum und gehen in ihre benachbarten, nach Männern und Frauen getrennten Klöster, hinter ihnen bleiben die Türen verschlossen.

Für sie folgt nun eine weitere halbe Stunde stillen Gebets, an ihm können die Gäste nicht teilnehmen. Wiederum schweigend weist ein Mönch den Gästen den Weg aus der Kirche und schließt zuerst die gusseiserne Tür im Inneren, dann das große Holztor nach außen.

Einige Besucher gehen in den Klosterladen, um das in Tre Fontane produzierte Trappistenbier oder das Olivenöl vom klostereigenen Olivenhain zu kaufen. Andere kehren zurück in den Gästebereich des Klosters. Zehn einfache Zimmer gibt es dort, seit einigen Jahren sind sie fast immer ausgebucht. Die Abtei musste eine zeitliche Beschränkung einführen: Maximal drei Tage können "normale" Gäste dort bleiben, Priester und Ordensleute doppelt so lange.

Besucher können beichten

Außer einem Schlafplatz, regelmäßigen Mahlzeiten und der Teilnahme an den Gebetszeiten ist das Angebot überschaubar: Wer will, kann mit einem der Mönche sprechen oder eine Beichte ablegen. All das kostet nichts, doch sind Geldspenden jederzeit und in jeder Höhe willkommen.

Pater Emanuele, der einst Prior der Abtei war und nun seit einigen Jahren den Gästebereich betreut, berichtet von einem merkwürdigen Alters-Graben. Während vor allem junge Menschen dieses Angebot (einschließlich der Beichte) nachfragen, kommen zu den Sonntagsmessen überwiegend Rentner. Er vermutet eine wachsende Entfremdung der Jugend von der Liturgie und vom Glaubenswissen als eine Ursache.

Die Heilige Kommunion
Während vor allem junge Menschen dieses Angebot (einschließlich der Beichte) nachfragen, kommen zu den Sonntagsmessen überwiegend Rentner.

Doch in dieser allgemeinen Situation einer "religiösen Wüste" übe offenbar gerade das schweigende, aufs allerwesentlichste reduzierte spirituelle Angebot der Trappistenabtei eine besondere Anziehungskraft aus. Hinzu komme die Besonderheit des gemeinschaftlichen Chorgebets von Nonnen und Mönchen, das manchen den Zugang erleichtere.

Keine Familienfeste

Andere "niedrigschwellige" Angebote in der Seelsorge bietet das Kloster konsequent nicht an: Hochzeiten, Taufen, Jubiläen und dergleichen, womit andere Kommunitäten in Rom beachtliche Nebeneinnahmen erzielen und weithin bekannt werden, sucht man hier vergebens. Familienfeste sollen die Leute in der Pfarrei feiern, meint Pater Emanuele freundlich lächelnd. Mit Stille und Gebet verträgt sich das nicht so gut.

Der Pater, der schon Tausende Beichten gehört hat, geht auf die 80 zu. Sein genaues Alter will er ebenso wenig verraten wie seinen Familiennamen. Auch fotografiert werden will er nicht, das gelte auch für seine Mitbrüder. Höchstens Gruppenfotos gebe es im Internetauftritt der Gemeinschaft.

Einmal hat er eine Ausnahme gemacht, das war am 29. Juni 2024. Damals legte Bruder Pietro sein Ordensgelübde ab. Zuvor hatte er zwei Jahre als Novize im Kloster gelebt. Pietro ist ein Glücksfall für den Konvent, der in den vergangenen Jahren einige ältere Mitbrüder durch Tod verlor und seine Reihen auch durch Abordnungen jüngerer Mönche aus Brasilien, Nigeria und Indonesien auffüllte.

Konvent hat sich verjüngt

Pietro ist gebürtiger Römer, er wuchs ganz in der Nähe des Klosters auf und hat an Roms staatlicher Universität La Sapienza Ingenieurwissenschaften mit dem Schwerpunkt Robotik und Künstliche Intelligenz studiert. Er arbeitete in einem Raumfahrtunternehmen, bevor ihn bei einem Klosteraufenthalt plötzlich der Ruf ereilte, einen komplett anderen Lebensweg einzuschlagen und Mönch zu werden.

Dank ihm und den ausländischen Zugängen der vergangenen Jahre hat sich der Konvent beträchtlich verjüngt. Die fünf Schwestern, die aus der seit vielen Jahren wachsenden Trappistinnen-Abtei in Vitorchiano nördlich von Rom entsandt wurden, um ihre Mitbrüder beim Beten und Arbeiten zu unterstützen, haben ebenfalls spürbar dazu beigetragen, die Abtei Tre Fontane zu dem zu machen, was sie heute ist: ein ebenso stiller wie lebendiger Ort der Besinnung und des Gebets, an dem es kaum Überflüssiges gibt und Gottes Gegenwart umso reichlicher spürbar wird.

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