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Weihnachten in Bolivien

Eine Landpartie

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Ein Geländewagen fährt auf einer Sandpiste, die links und rechts von hohen Bäumen, Büschen und Sträuchern gesäumt ist. Auf der Ladefläche sitzen zwei Dominikaner im hellen Ornat und die Musiker aus Saipina.
Cochabamba/Bolivien - Der Dorfplatz ist rappelvoll: Für die Christmette haben viele ihre eigenen Stühle mitgebracht; andere sitzen schlicht auf dem Boden. Pater Edwin Gonzalez Encinas steht lächelnd vor dem improvisierten Altar und zwinkert der Gemeinde zu und zeigt auf seinen Gast: "Ich werde auch auf Spanisch predigen, damit der Deutsche etwas versteht." Die Mitglieder der Gemeinde in Lanza lanzar lachen und heißen ihren Gast willkommen.

Wenn kein Besuch da ist, predigt Pater Edwin auf Quechua, der ursprünglichen Sprache dieser Region im Herzen Boliviens. Die Gemeinde umfasst kaum 20 Familien und ist Teil der Großpfarrei Comarapa im Departamiento Santa Cruz. Die Christmette wird hier schon am 23. Dezember gefeiert; anders können die Padres den 10.000 Gläubigen in dem etwa 2.300 Quadratkilometer großen Territorium nicht gerecht werden – sie arbeiten zu zweit.

Über die Dörfer zum Gottesdienst

Nun sitzt die Gemeinde im Schatten der Lehmhütten und hört ihrem "Padrecito" zu. Die Gläubigen lassen sich nicht einmal von den laut schnatternden Gänsen ablenken, die etwas abseits vorbeiwatscheln. "Weihnachten", sagt Pater Edwin, "ist nicht nur für die Reichen, die es sich leisten können, zum Supermarkt zu gehen; Weihnachten ist für euch." Nach der Predigt greifen einige Jugendliche zu ihren Instrumenten, ein lebhaftes Weihnachtslied erklingt.

In dem Ort Lanza Lanzar sitzt ein gutes Dutzend Gläubie auf Klappstühlen oder dem sandigen Boden
Die Christmette wird in dem bolivianischen Ort Lanza Lanzar ganz pragmatisch auf dem Dorfplatz gefeiert.

Das Leben in fast vergessenen Ortschaften wie Lanza lanzar ist hart, und ohne Auto ist der Weg zu lokalen Zentren wie Comarapa mühsam. Etwas mehr als 6.000 Menschen siedeln dort entlang der Fernstraße Nummer 7 – auf 1.825 Höhe. Viele Einwohner Lanza lanzars legen den Weg auf dem Motorrad oder zu Fuß zurück. In der Kleinstadt Comarapa ist nicht nur die Hauptkirche der Großpfarrei, hier haben die Dominikanerinnen von Arenberg auch ein Krankenhaus, ein Altenheim und einen Kindergarten errichtet. Brüder eines Marienordens der Maristen führen eine weiterführende Schule, und der lokale Radiosender wird von Dominikanern geführt.

An Heiligabend zelebriert Pater Edwin vier weitere Messen. Im Geländewagen macht er sich auf den Weg, gemeinsam mit einigen jungen Musikern aus dem Dorf Saipina. Die bergige Landschaft fliegt vorbei. Den Wegesrand säumen Kakteen, Zuckerrohr, Mango- und Bananenbäume. Dass die Flüsse reichlich Wasser führen, weil die Regenzeit bereits begonnen hat, wäre in Deutschland allenfalls eine Randnotiz; für Pater Edwin ist das eine wichtige Information, denn auf seinem Weg zur Messe muss er viele dieser Flüsse durchqueren.

Mit Niñito zur Krippe

Das letzte Dorf, in dem Pater Edwin am Heiligen Abend die Messe feiert, ist Saipina. In dieser Ortschaft gibt es sogar einen Kinderchor. Aus voller Brust singen die Kleinen ihre Lieder, die sie mit der Band für diesen Tag geübt haben. Die Kinder haben ihr "Niñito", ihr Jesuskind, mitgebracht und legen es in die Krippe der Kapelle. Nachdem Pater Edwin die Figuren gesegnet hat, rennen die Kleinen nach vorne, um ihr Jesuskind nach Hause zu bringen.

Die ersten Reihen der Kirche sind von Kinder bevölkert, die lauthals singen. Vor ihnen steht ein junger Mann mit einer Gitarre.
Lange fieberten die Kinder auf ihren großen Auftritt hin, für den lange mit den Musiker geprobt haben.

Dort erwarten sie Schweinefleisch, Mais, Kartoffeln und Apfelwein. Geschenke gibt es aber erst am Weihnachtsmorgen. Die Heilige Nacht ist jedoch alles andere als still: Um Mitternacht wird die Geburt Jesu mit Böllern und Raketen gefeiert, es wird getanzt und alle wünschen sich "Feliz Navidad", eine fröhliche Weihnacht. Weihnachten ist in Bolivien eine echte Geburtstagsparty.

Auch deshalb ist die für Deutschland typische Einsamkeit vieler Menschen an Weihnachten in Bolivien kein Thema. Einer der Patres erklärt: "Wenn du mir sagst, dass du an Weihnachten alleine bist, lade ich dich ein." Überhaupt scheint die Gastfreundschaft der Bolivianer übergroß. Gerade die, die kaum etwas haben, teilen großherzig. Zum Abschied bekommen die Padres die größte und schönste Melone, die die Ernte hergegeben hat. Dann geht’s auch wieder in die Heimat. Die Gemeindemitglieder schauen den Patern noch eine Weile nach und rufen: "¡Chau Padrecitos!".

Von Tobias Schrörs

Zur Person

Der Dominikaner Tobias Schrörs ist im Auftrag seines Ordens für ein Jahr nach Bolivien gereist und berichtet, wie er in diesem Jahr Weihnachten in Bolivien erlebt hat.

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