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Verdis wenig bekannte Oper "Jerusalem" ist in Bonn zu sehen

Eine Rarität feiert Premiere

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Bonn - Nabucco, La Traviata, Aida: Giuseppe Verdi hat in seinem langen Leben wahre Gassenhauer der Opernbühne komponiert. In Bonn steht nun die frühe Oper "Jerusalem" auf dem Spielplan - zum ersten Mal in Deutschland.

Nicht so in Bonn. Am dortigen Opernhaus läuft derzeit ein Zyklus aus Verdis frühem Schaffen. Mit "Jerusalem", 1847 in Paris uraufgeführt, steht am Sonntag eine absolute Rarität zur Premiere an. Eine solche Seltenheit, dass selbst Generalintendant Bernhard Helmich ein wenig überrascht wurde: "Wir haben erst im Nachhinein festgestellt, dass es sich in Bonn um die szenische Erstaufführung in Deutschland handelt." Mit anderen Worten: Auf der Bühne war das Werk bundesweit noch nie zu sehen.

Das hat aus Helmichs Sicht einen Grund. "Verdis frühe Opern sind musikalisch nie wirklich ernst genommen worden. Genau deshalb haben wir 'Jerusalem' aber ausgewählt." Bei dem Vierakter kommt hinzu, dass er die Umarbeitung einer früheren Komposition ist. Verdi hat aus seiner 1843 entstandenen italienischen Oper "I Lombardi alla prima crociata" ("Die Lombarden auf dem ersten Kreuzzug") die französische Oper "Jerusalem" gemacht, eine sogenannte Grand-Opera, wie sie im Frankreich des 19. Jahrhunderts eine Erfolgsgeschichte sondergleichen feierte.

"Jerusalem" interessanter, außergewöhnlicher und straffer

Hierfür hat der Meister tief in die Struktur seiner Oper eingegriffen, Gesangspartien umgearbeitet, eine der Hauptrollen sogar fast neu komponiert. Am Ende sind es laut Helmich "zwei richtig verschiedene Opern geworden", wobei er "Jerusalem", dessen Libretto von Alphonse Royer und Gustave Vaez stammt, für interessanter, außergewöhnlicher und straffer hält. Aus Sicht des Regisseurs ist es die bessere Wahl, weil Thema und Handlung wesentlich stringenter seien als bei der Groß-Oper "I Lombardi".

Die erste Aufführung seit 170 Jahren: Das Theater Bonn zeigt die Verdi-Oper "Jerusalem".

Den zeitlichen und dramatischen Rahmen der Oper bildet der Kreuzzug im 11. Jahrhundert, angereichert mit einer operntypischen Liebesgeschichte. "Tenor liebt Sopran, Bass wird ausgebootet. Wie immer bei Verdi", sagt Helmich. "Jerusalem" hat also einen historischen Kern und einen religiösen Bezug, viele der auftretenden Personen sind sogar historisch belegt. Verdi hat die Geschichte jedoch dramaturgisch angereichert und verdichtet. Die Auflösung am Ende verheißt eine Vision vom himmlischen Jerusalem, die der Motivation der echten Kreuzritter durchaus nahe kommen dürfte.

Bezug zu aktuellen politischen Entwicklungen vermeidet man

Sehr erfolgreich war Verdis Oper seinerzeit nicht, die Aufführungstradition war fast ausschließlich auf den französischen Raum beschränkt. Daran konnte auch eine Rückübersetzung des Textes ins Italienische nichts ändern. Den französischen und den italienischen Operngeschmack trennten damals Welten. Inszeniert wird in Bonn von Francisco Negrin, der als studierter Filmwissenschaftler für aussagekräftige Bilder bekannt ist. Negrin, sein Bühnenbildner Paco Azorin und der Lichtdesigner Thomas Roscher finden beeindruckende szenische Lösungen mit starker Symbolwirkung.

Einen allzu eindeutigen Bezug zu aktuellen politischen Entwicklungen vermeidet man in Bonn trotz sich anbietender Parallelen ganz bewusst: "Verdi hat dieses Sujet ja nicht ausgewählt, weil es so aktuell ist, sondern weil es so fern und so exotisch ist", erläutert Generalintendant Helmich. Eine Eins-zu-Eins-Übertragung auf heute sei deshalb genau entgegengesetzt zu Verdis Intention. "Aus heutiger Sicht ist diese Oper aber sehr schwer zu inszenieren. Die Handlung erscheint beim Lesen abstrus. Es ist eine echte Herausforderung für den Regisseur." Nicht zuletzt, weil das statische Rampentheater von früher heutzutage verpönt ist. Aber auch hierfür kann das Publikum in Bonn bildgewaltige Lösungen erwarten. Und die Begegnung mit einer echten Rarität wie "Jerusalem".

Hinweis

Aufführungstermine der Oper "Jerusalem" von Giuseppe Verdi in Bonn: 31. Januar, 14. und 27 Februar, 10., 18. und 26. März, 2. und 9. April.

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