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Seligsprechungsprozess für Pater Hermann Cohen eingeleitet

"Er verdient es, bekannt zu werden"

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Berlin/Hamburg/Bordeaux - Jüdischer Bankierssohn, musikalisches Wunderkind und katholischer Ordensmann: Eine französische Initiative für Hermann Cohen (1820-1871) könnte auch deutschen Katholiken ein kirchlich bestätigtes Glaubensvorbild bringen.

145 Jahre nach seinem Tod in Berlin soll Hermann Cohen (1820-1871) selig gesprochen werden - jedenfalls, wenn es nach dem Willen des französischen Zweigs des Karmeliterordens geht. Das zuvor erforderliche kirchliche Verfahren leitete der Erzbischof von Bordeaux, Jean-Pierre Ricard, bereits Mitte Januar offiziell ein - was bisher in Deutschland unbekannt blieb. Cohen sei ein Karmelitermönch gewesen, "dessen ungewöhnliches Leben es verdient, bekannt zu werden", begründet Erzbischof Ricard den Seligsprechungsprozess, dessen Erfolg die kirchliche Verehrung in einer bestimmten Region erlaubt.

Der 1820 in Hamburg als Sohn eines jüdischen Bankiers geborene Hermann ist bereits als Kind ein musikalisches Ausnahmetalent und gibt umjubelte Klavierkonzerte. Mit 13 Jahren wird er in Paris Schüler des Komponisten und Pianisten Franz Liszt. Der junge Künstler ist mit der Schriftstellerin George Sand befreundet, die über ihn notiert: "Schuf der Himmel eine schönere Seele, einen ausgezeichneteren Verstand, ein interessanteres Gesicht, als die unseres Hermann oder vielmehr unseres 'Puzzi'?" Denn so nennt Liszt seinen niedlichen, "putzigen" Lieblingsschüler. Dieser genießt den Beifall, das Leben in Künstlerkreisen, entdeckt seine Spielleidenschaft - und wird schließlich spielsüchtig. Trotz seines musikalischen Erfolgs häufen sich Schulden an.

Dann ändert er radikal sein Leben

Doch mit 27 Jahren ändert Hermann Cohen sein Leben radikal: Nach der Vertretung eines Chorleiters in einer katholischen Messe ist er bis ins Innerste bewegt und fasziniert, hat ein Berufungserlebnis. Er lässt sich taufen, zahlt seine Schulden zurück und widmet sich fortan mit ganzer Kraft seinem Glauben. 1848 tritt er in Le Broussey bei Bordeaux in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten ein.

Nach seiner Priesterweihe entfaltet Cohen eine umfangreiche Predigttätigkeit, die ihn durch halb Europa führt. 1863 gründet er die erste Niederlassung seines Ordens in London. 1868 erkrankt er schwer an den Augen, reist in den Wallfahrtsort Lourdes und wäscht sich jeden Tag die Augen an der Quelle - bis er schließlich nach neun Tagen "plötzlich und vollkommen geheilt" wird, so die Überlieferung.

Als der Deutsch-Französische Krieg von 1870/71 ausbricht, wird "der deutsche Pater" wegen seiner Herkunft der Spionage verdächtigt. Er kehrt zurück in seine Heimat, wo er französische Kriegsgefangene in Spandau bei Berlin betreut. Dabei steckt er sich mit den Pocken an und stirbt im Januar 1871.

Sterbliche Überreste 2008 nach Frankreich überführt

Cohen wird in der Krypta der heutigen Sankt-Hedwigs-Kathedrale, damals noch Pfarrkirche, beigesetzt. Nach einem Bombenangriff werden seine Gebeine 1943 auf den Hedwigsfriedhof umgebettet - wo sie zu DDR-Zeiten weitgehend unbeachtet bleiben, bis die Grabstätte 2006 durch den Einsatz eines Hamburger Kreises eine durch Spenden finanzierte Stele erhält; sie befindet sich immer noch auf dem Friedhof, anders als Cohens sterbliche Überreste. Auf Betreiben des Ordens wurden sie 2008 in die Klosterkirche von Le Broussey überführt.

Hierzulande ist Cohen weitgehend in Vergessenheit geraten. Von einer Verehrung seines Ordensbruders sei ihm wenig bekannt, räumt der Karmeliter-Provinzial in Deutschland, Pater Ulrich Dobhan, ein. Eine bereits bestehende Verehrung ist jedoch eine Voraussetzung dafür, dass ein Seligsprechungsverfahren Aussicht auf Erfolg hat: "Schließlich sind Menschen nötig, die sich entsprechend dafür einsetzen", erklärt Gotthard Klein, der im Erzbistum Berlin in besonderer Weise für solche Verfahren zuständig ist. Oft ziehen sie sich über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hin. Ein Wunder, das dem Kandidaten zugesprochen wird, kann den Prozess dann erheblich beschleunigen. Besonders danach ist das Erzbistum Bordeaux nun auf der Suche.

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