Erste katholische Messe seit 1535 in Genfer Kathedrale – um ein Jahr verschoben
Auf katholisch.de wurde unten stehende Meldung am 1. Juni veröffentlicht. Leider hat die Katholische Nachrichten-Agentur dabei nicht auf die aktuellsten Informationen zu diesem Thema zurückgegriffen. Tatsächlich wurde die Feier der ersten katholischen Messe seit 1535 in der Genfer Kathedrale wegen der Corona-Pandemie um ein Jahr verschoben. Wir bitten diesen Fehler der Agentur zu entschuldigen.
Historisches Ereignis für die Ökumene: In Genf, der Stadt des Reformators Johannes Calvin, ist am Pfingstsamstag in der reformierten Kathedrale Saint Pierre erstmals seit knapp 500 Jahren wieder eine katholische Messe gefeiert worden. Der katholische Genfer Bischofsvikar Pascal Desthieux, der den Gottesdienst leitete, sprach dabei mit Blick auf das Pfingstfest von einer Fügung, um "dieses Ereignis unter der Führung des Heiligen Geistes" zu erleben. Denn ursprünglich war die Messe bereits für 29. Februar geplant, dann jedoch wegen der Corona-Pandemie verschoben worden.
Saint Pierre ist die Hauptkirche der Reformierten in Genf. Die ökumenische Gastfreundschaft für Desthieux in diesem Gotteshaus war daher von zusätzlicher Bedeutung. Kurienkardinal Kurt Koch, aus der Schweiz stammender "Ökumeneminister" des Papstes, bezeichnete die Messe in einer Hauptstadt des Protestantismus im Vorfeld als großes Symbol der Einheit der Christen. Der Weltkirchenrat (ÖRK) würdigte die Messfeier am Pfingstsonntag als "bedeutendes ökumenisches Ereignis". Laut Schweizer und französischen Medien wäre ein solcher Vorgang noch vor wenigen Jahren "absolut undenkbar" gewesen.
Aufregung um "eucharistische Gastfreundschaft"
Bereits im Vorfeld der Messe hatte es Aufregung darüber gegeben, dass eine "eucharistische Gastfreundschaft" praktiziert werden soll. Man heiße "all jene willkommen, die sich zum Empfang des Leibes Christi melden", teilte eine Sprecherin des Bischofsvikars in Genf Mitte Februar katholisch.de mit. Vorher hatte es Berichte gegeben, laut denen Protestanten zum Empfang der Eucharistie explizit eingeladen würden. Die Sprecherin der katholischen Kirche in Genf betonte, dass Protestanten an der katholischen Feier teilnehmen könnten. Dass diese Messe überhaupt möglich sei, liege an den "exzellenten Beziehungen, die über viele Jahre zwischen den beiden christlichen Kirchen aufgebaut wurden".
Die Kathedrale Saint Pierre war bis 1535 Bischofskirche des katholischen Bistums. Nach einer Predigt von Guillaume Farel, der am 8. August 1535 in Saint Pierre die Prinzipien der Reformation verkündet hatte, waren in der Genfer Kathedrale die Zeichen der katholischen Liturgie gelöscht worden. Anschließend wirkte Calvin (1509-1567) 23 Jahre lang als Prediger in Saint Pierre. Der französische Theologe gründete unter anderem die "Genfer Akademie", die zur Hochschule des Calvinismus wurde. (cbr/KNA)