Erzbischof: Keine schnelle Rückkehr von Christen
Aus Sicht des syrisch-katholischen Erzbischofs von Mossul, Yohanna Petros Mouche, ist eine schnelle Rückkehr der Christen nach Mossul nicht zu erwarten. "Momentan ist es unmöglich, dauerhaft hier zu leben. Denn Mossul ist vollständig zerstört", sagte er dem katholischen Hilfswerk "Kirche in Not" am Montag im Interview. Derzeit kämen die Christen, die vor der Eroberung der Stadt durch die Terrormiliz "Islamischer Staat" hier gelebt hätten, stundenweise zurück, um nach ihren Häusern zu sehen. Für viele sei die Rückkehr in die Ninive-Ebene eine Alternative. Die christlichen Dörfer dort seien zwar auch zerstört worden, allerdings habe der Wiederaufbau hier bereits begonnen.
Auch wenn Mossul offiziell befreit sei, hielten sich mancherorts noch IS-Anhänger versteckt, so der Erzbischof. "Aber ich bin sicher, dass man sie bald ausfindig machen wird." Ebenso wichtig sei jedoch, dass sich die Einstellung der Bewohner ändere, "die sich von der islamistischen Ideologie haben verführen lassen". Es müsse auch weiterhin möglich sein, dass Christen und Muslime zusammenleben. "Wir müssen jetzt wieder lernen, im Frieden miteinander zu leben."
Kehren die Christen nach Mossul zurück, wenn der "Islamische Staat" besiegt wurde? Der Nahost-Experte Otmar Oehring glaubt nicht daran - aus mehreren Gründen. (Artikel von November 2016)
Lyons Kardinal Philippe Barbarin besucht Mossul dieser Tage mit einer Delegation. Er löse damit das Versprechen ein, in der befreiten Stadt eine Statue der Jungfrau von Fourviere zu errichten, meldet der französische Sender Franceinfo am Montag. Im Dezember 2014 hatte eine Delegation aus Lyon, der Partnerstadt von Mossul, die Statue als Geschenk mitgebracht und versprochen, sie in Mossul einzuweihen, sobald die Stadt befreit sei. In der Zwischenzeit stand die Figur in der Kathedrale von Erbil. Fourviere ist der dominierende Hügel im Westen von Lyon und der Name des ältesten Siedlungsgebiets der Stadt.
3.000 Lebensmittelkörbe dabei
Während der zweitägigen Reise wird die Delegation zuerst Erbil, dann Karakosch (Baghdida) und anschließend Mossul besuchen. Ziel sei es, auf das Schicksal der vertriebenen Muslime, Christen und Jesiden aufmerksam zu machen, bevor sie in ihre Stadt zurückkehren werden. Für die Bevölkerung von Mossul bringt die Delegation, die vom chaldäischen Patriarchen Louis Raphael Sako eingeladen wurde, 3.000 Lebensmittelkörbe mit.
Vor der Eroberung Mossuls lebten in der zweitgrößten Stadt des Irak nach lokalen Angaben mehr als 25.000 Christen. In der umliegenden Ninive-Ebene waren viele Dörfer mehrheitlich christlich besiedelt. "Kirche in Not" unterstützt nach eigenen Angaben den Wiederaufbau in neun christlichen Dörfern der irakischen Ninive-Ebene. Dort seien rund 13.000 Gebäude beschädigt oder komplett zerstört. (jhe/KNA)