Suche
"Ich möchte ein hörender Bischof bleiben"

Erzbischof Lackner wird 70: Zeit eigener Impulse geht langsam zu Ende

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Salzburg - Der Salzburger Erzbischof Franz Lackner spricht zu seinem 70. Geburtstag über seinen Umgang mit dem Älterwerden. Wie er das Schwinden der eigenen Kräfte hinauszögert und was für ihn im Alter wichtiger wird.

Salzburgs Erzbischof Franz Lackner wird am Dienstag (14. Juli) 70 Jahre alt. Seiner Bistumszeitung, dem "Rupertusblatt", sagte er im Interview, wie er mit dem Älterwerden umgeht und weshalb er auf jeden Fall auch künftig ein hörender Bischof bleiben wolle. "Gott ist da, er ist unter uns. Ich glaube, wir haben dafür ein bisschen die Aufmerksamkeit verloren", so Lackner wörtlich. Der heilige Franziskus erinnere daran, "Gott wieder ins Zentrum zu stellen", so der Erzbischof unter Verweis auf den Ordensgründer, dessen 800. Todestag in diesem Jahr begangen wird. Lackner gehört selbst dem Franziskanerorden an.

Zur Frage, ob sich für ihn persönlich die Gottessuche oder auch der Umgang mit Zweifeln mit dem Alter verändert hätten, meint der Erzbischof: "Früher war vieles klarer, man hatte auf fast alles eine Antwort." Heute sei weniger Gewissheit da, dafür mehr Tiefe. "Was sich durchhält, ist die Sehnsucht. Die Sehnsucht, für Gott und für die Menschen da zu sein." Der Glaube komme vom Hören, so Lackner. "Deshalb möchte ich ein hörender Bischof bleiben – still werden, aufmerksam und offen sein für die Menschen und den Heiligen Geist." Oft seien die Menschen zu sehr mit sich selbst beschäftigt, "wenn der Heilige Geist spricht".

"Zeit eigener Impulse geht langsam zu Ende"

Das Schwinden der Kräfte versuche er durch Training und gesundes Essen hinauszuzögern, sagte der Erzbischof. Wichtiger würden Frömmigkeit und Gebet; "das trägt im Alter". Aber er spüre das Alter schon sehr deutlich in seinem Alltag: "Meine Mitarbeitenden sind meist viel jünger. Ich spüre, dass die Zeit, in der Impulse von mir ausgehen, langsam zu Ende geht." Die jungen Menschen müssten mehr in den Vordergrund treten. Er selbst spüre, "dass man im Alter dorthin zurückkehrt, wo man herkommt – zu einer gewissen Armut und zur Einfachheit".

Lackner wurde am 14. Juli 1956 in Feldbach geboren. Er wuchs in kleinbäuerlichen Verhältnissen auf und begann nach der Pflichtschule eine Lehre als Elektriker. 1984 folgte der Eintritt in den Franziskanerorden. 1991 wurde er zum Priester geweiht. Nach der Promotion an der päpstlichen Universität Antonianium des Franziskanerordens in Rom unterrichtete der Steirer dort Metaphysik, bis er 1999 zum Provinzial der Franziskanerprovinz von Wien berufen wurde. Hinzu kam ein Lehrauftrag für Philosophie an der Hochschule in Heiligenkreuz. 2002 wurde Lackner Weihbischof in der Diözese Graz-Seckau. Im November 2013 wählte das Salzburger Domkapitel ihn zum Erzbischof. Seit 2020 ist Lackner Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz; im Juni 2026 wurde er wiedergewählt. (KNA)

kna-katholisch-swarm-node1 (0.011s)