Suche
Tote und Verletzte nach Jerusalem-Entscheidung

Erzbischof Schick übt scharfe Kritik an Trump

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Bamberg - Hunderte Verletzte und Tote hat es seit der Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die USA gegeben. Deutliche Kritik an der Entscheidung üben nun Erzbischof Schick und der Kardinalstaatssekretär.

Weltkirche-Bischof Ludwig Schick hat die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels scharf kritisiert. Das Vorhaben sei mit der "Entscheidung der internationalen Gemeinschaft, den 'Status quo' von Jerusalem zu bewahren, nicht vereinbar", sagte Schick im Interview des "Fränkischen Tags" (Samstag).

Jerusalem sei international und könne von niemandem als Hauptstadt "vereinnahmt" werden. Trumps Ankündigung könne schwelende Konflikte in "kriegerische Auseinandersetzungen" verwandeln. Sie gieße Öl ins Feuer. Schick sagte, er hoffe, dass die umliegenden Staaten und die Vereinten Nationen die Lage beruhigten.

Insgesamt gewähre Israel "ein hohes Maß" an Religionsfreiheit. "Aber es gibt auch Probleme, die weniger vom Staat als von national-religiös motivierten Gruppen verursacht werden", sagte Schick. Diese Gruppen beleidigten öffentlich christliche Palästinenser im Land und übten vermehrt Gewalt gegen Christen, Kirchen und Einrichtungen aus. Der Erzbischof ermutigte dazu, als Pilger das Heilige Land zu besuchen und sich ein eigenes Bild der Lage zu machen.

Die Ökumene sei im Heiligen Land kein Fremdwort. "Tatsächlich gibt es historische Spannungen, die nur langsam und schrittweise überwunden werden können." Es gebe aber auch ein "echtes Bemühen" von Kirchen und christlichen Gemeinschaften, einander näher zu kommen.

Kritik aus dem Vatikan

Im Westjordanland, Ostjerusalem und dem Gazastreifen halten unterdessen die palästinensischen Proteste gegen Trump weiter an. Bei Demonstrationen am Damaskustor zur Jerusalemer Altstadt wurden am Samstagnachmittag nach Polizeiangaben vier Beamte leicht verletzt. 13 Demonstranten wurden festgenommen. Bei Zusammenstößen im Westjordanland wurden laut dem Roten Halbmond seit Freitag 1.400 Palästinenser verletzt. Bei Vergeltungsschlägen der israelischen Armee gegen Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen wurden vier Palästinenser getötet.

Die neue Gewalt im Heiligen Land hat der Chefdiplomat des Papstes, Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, als beunruhigend bezeichnet. "Hoffen wir, dass jetzt nicht ein Prozess beginnt, der mehr Gewalt und Spannungen bringt", sagte der Kardinalstaatssekretär dem Sender TV2000 am Freitag in einem Interview. Die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, mache viele Dinge kompliziert, sagte Parolin. "Hoffen wir, dass die Weisheit und Vorsicht, zu der der Papst in seinem jüngsten Appell aufgerufen hat, überwiegen."

Bevor Trump am Mittwoch seine Entscheidung zu Jerusalem bekannt gab, hatte Papst Franziskus nachdrücklich angemahnt, dass alle Parteien den "Status Quo" der Stadt respektieren müssten und Jerusalem als heilige Stadt für Juden, Christen und Muslime eine "besondere Berufung zum Frieden" habe. Der Papst hatte sich am Donnerstag dazu auch mit dem türkischen Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan beraten. (tmg/KNA/dpa)

kna-katholisch-swarm-node2 (0.014s)