Erzbischof Welby sorgt sich um seinen Alkoholkonsum
Anglikanerprimas Justin Welby (61) sorgt sich sehr um seinen Alkoholkonsum. Seine Ehefrau habe den ausdrücklichen Auftrag, ihn in dieser Sache zu überwachen, sagte der Erzbischof von Canterbury im Interview des "Sunday Times Magazine" (Heiligabend). "Meine Frau Caroline und ich sind extrem ehrlich miteinander und ich gehe sehr vorsichtig mit meinem Alkoholkonsum um", sagte das religiöse Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche von England. Grund für seine Vorsicht sei seine Angst, den Hang zur Abhängigkeit von seinen Eltern geerbt zu haben.
Im Interview erklärte Welby, dass beide Elternteile alkoholabhängig gewesen seien. Zudem ließen sie sich scheiden, als er erst drei Jahre alt war. "Es war eine laute und gestörte Kindheit; die meisten meiner frühen Erinnerungen drehen sich um Streit und Unordnung." Laut dem Erzbischof sei die Situation aus dem Ruder gelaufen, als seine Mutter für mehrere Monate in eine psychiatrische Klinik musste als er 12 Jahre alt war. "Mein Vater hat daraufhin noch viel mehr getrunken", so Welby. "An einem Weihnachtsfest war er sehr betrunken und ist den ganzen Tag nicht aufgestanden. Es gab nichts zu essen, also habe ich den ganzen Tag ferngesehen und Menschen vor dem Fenster beobachtet."
Welby ist uneheliches Kind eines hochrangigen Beamten
2016 hatte Welby zudem im Alter von 60 Jahren durch einen DNA-Test erfahren, dass er der uneheliche Sohn eines Privatsekretärs des verstorbenen Premierministers Winston Churchill ist, Sir Anthony Montague. Auch mit dieser Privatangelegenheit war das geistliche Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche transparent umgegangen, was ihm Respekt von zahlreichen Personen aus Religion, Politik und Gesellschaft eingebracht hatte.
Im Gespräch mit der "Times" sagte Welby nun, er frage sich oft, wie weit seine eigenen Kindheitserfahrungen seine Art, Vater zu sein, beeinflussten. "Man wusste bei meinem eigenen Vater nie, wo man dran war. Ich habe mit meinen Kindern immer versucht, transparenter zu sein." Abseits seiner kirchlichen Verpflichtungen liebe er seine Rolle als Vater und Großvater.
Im Interview verriet er auch seine heutige Familientradition zu Weihnachten. Demnach besuche er immer erst ein Hospiz bevor er den Festgottesdienst in der Kathedrale von Canterbury zelebriere; "was nervenaufreibend ist, da es ein großes Ereignis ist und im Fernsehen übertragen wird". Anschließend gebe es ein kleines Mittagessen und nach dem Abendgebet stehe Entspannung und ein Festessen mit Kindern und Enkelkindern auf dem Programm der Familie Welby: "Wenn die Arbeit getan ist, kann ich ein Familienmensch sein." (kim/KNA)