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Martin Rothweiler über das Friedenstreffen von Assisi

Es bedarf mehr als des Gebets

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Schachfigur
Bonn - Martin Rothweiler über das Friedenstreffen von Assisi

Dreißig Jahre nachdem Papst Johannes Paul II. 1986 zum ersten Mal zum interreligiösen Weltgebetstreffen nach Assisi eingeladen hatte, sind am 20. September erneut Vertreter der Weltreligionen und Kirchen am Ort des heiligen Franziskus mit dem römischen Pontifex zusammengetroffen. "Eine Gelegenheit, sich einander in die Augen zu schauen, miteinander offen zu sprechen, einander zuzuhören, die spirituellen Reichtümer des anderen zu genießen und in erster Linie Freunde zu sein", so charakterisierte der griechisch-orthodoxe Ökumenische Patriarch von Konstantinopel Bartholomaios I. das erneute Zusammentreffen. In einer wahren selbstlosen Freundschaft finde der Durst nach Frieden seinen Trost.

Sich-einander-in-die-Augen-Schauen, Freunde sein, das ist nahezu ein Idealzustand der Verständigung zwischen Religionen und Völkern. Dass dies angesichts des millionenfachen Leids, der kriegerischen Auseinandersetzungen und der Grausamkeiten in der Welt - wie sie exemplarisch und  bewegend von Tamar Mikali, einer Christin aus Aleppo, beim Treffen in Assisi geschildert wurden - aussichtslos zu sein scheint, darf nicht entmutigen. Dafür steht die wesentliche Botschaft von Assisi, wie sie der heilige Papst Johannes Paul II. vor dreißig Jahren bereits formulierte und Papst Franziskus in seiner Ansprache wieder aufgriff. Die Zusammenkunft in Assisi ist eine "Einladung an die Welt, sich dessen bewusst zu werden, dass es noch eine andere Dimension des Friedens und einen anderen Weg der Friedensförderung gibt, die nicht das Ergebnis von Verhandlungen, politischen Kompromissen oder wirtschaftlichen Verträgen ist. Sie ist das Ergebnis von Gebet". Im erneuten Friedensappell der Religionsführer heißt es: "Nichts ist unmöglich, wenn wir uns im Gebet an Gott wenden." Ein Gebet freilich, das - wie Papst Franziskus betonte - ein Gebet nebeneinander und füreinander ohne jeden Synkretismus und Relativismus ist, weshalb die Religionsgemeinschaften in Assisi an getrennten Orten gebetet hatten.

Aber es bedarf natürlich mehr als allein des Gebets. Papst Franziskus spannte unter Bezug auf die heiligen Mutter Teresa von Kalkutta und die Worte Christi am Kreuz "Mich dürstet" den Bogen des Friedensthemas weit vom Durst nach Frieden zum Durst nach Liebe, nach Geliebt-Werden. Er forderte dazu auf, "den versteckten Schrei der unschuldigen Kinder, denen das Licht dieser Welt verwehrt wird, die innige Bitte der Armen und derer, die am meisten des Friedens bedürfen zu vernehmen". Ein Aufruf des Papstes nach konkreten Taten der Liebe und gegen die "Verschmutzung der Gleichgültigkeit", es gelte, "der Welt den Sauerstoff der Liebe zurückzugeben." Trotz aller Tragödien und Grausamkeiten: Der Geist von Assisi ermutigt.

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