Suche
Christof Haverkamp über die Debatte um den Frauendiakonat

Es besteht noch viel Nachholbedarf

Dieser Inhalt ist nur erlaubt, wenn Sie Cookies vom Typ "readspeaker" zulassen.

Schachfigur
Bonn - Christof Haverkamp über die Debatte um den Frauendiakonat

Auch wenn Papst Franziskus jetzt eine Expertenkommission zum Frauendiakonat berufen hat: Zuviel sollte zunächst niemand von diesem Schritt erwarten – das könnte nur Enttäuschungen produzieren. Das gilt erst recht, wenn man die Diakonenweihe vorrangig als Vorstufe zur Priesterweihe ansieht, denn die Frage des Frauenpriestertums hat Papst Johannes Paul II. bereits eindeutig negativ entschieden. Und sein Nachfolger Franziskus hat schon erklärt, dass er nicht eine neue Debatte um die Weihezulassung für Frauen befeuern will.

Gleichwohl könnte das Ergebnis der Theologenkommission noch zu großen Überraschungen führen und damit zu Änderungen – und überrascht könnten gerade jene sein, die sich ausdrücklich auf die Tradition berufen. Kirchenhistoriker wie Hubert Wolf aus Münster verweisen darauf, dass es in der Kirche über Jahrhunderte Diakoninnen gab, zum Beispiel verheiratete Frauen, die Bischöfen zugearbeitet haben. Oder Äbtissinnen, deren Weihe der Diakoninnen- oder der Bischofsweihe sehr ähnelte.

Gut ist jedenfalls, dass Papst Franziskus nicht mit einem Basta eine Diskussion vom Tisch gewischt hat, sondern umstrittene Themen offensiv behandelt. Für ihn ist auch in dieser Frage der Prozess wichtig. Damit hat der Papst erneut etwas in Bewegung gebracht, ohne damit gleich eine Vorentscheidung zu treffen.

Auf das Ergebnis der theologischen Aufarbeitung kann man also gespannt sein. Doch bis dahin wird es dauern, denn Wissenschaftler brauchen Zeit. Hilfreich ist dabei, dass die Hälfte des zwölfköpfigen Gremiums aus Frauen besteht. Nicht nur hier zeigt sich, wie wichtig es ist, dass Frauen präsent sind. Deren Sichtweise ist eine Bereicherung und ein Gewinn für die ganze Kirche.

Hier besteht noch viel Nachholbedarf, etwa bei der Besetzung von Leitungspositionen für Laien in Generalvikariaten und Ordinariaten. Kirchenrechtlich ist das längst möglich, doch in der Praxis fällt es oft schwer. Nachholbedarf hat allerdings nicht allein die Kirche, sondern ebenso die Wirtschaft.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt nicht unbedingt die Meinung der Redaktion von katholisch.de wider.

kna-katholisch-swarm-node1 (0.013s)