Freiheit für Chinas Christen bleibt unterm Radar
Vor 100 Jahren, am 28. Oktober 1926, weihte Papst Pius XI. in Rom sechs chinesische Priester zu Bischöfen, die ersten seit mehr als 240 Jahren. Der damit angestoßene Aufbau einer einheimischen kirchlichen Leitung war ein wichtiger Schritt für die Eigenständigkeit der Kirche in China. Blickt man jedoch heute auf die Situation der Christen in dem ostasiatischen Land, stellt sich die Situation anders dar. Immer schärfere Restriktionen und Drangsalierungen seitens der kommunistischen Regierung setzen dem religiösen Leben enge Grenzen und drohen, es zu ersticken.
Das zeigen die jüngst zunehmenden Auswüchse staatlicher Repression, die gezielt die religiöse Kinder- und Jugendarbeit ins Visier nehmen. Chinesische Behörden verbieten inzwischen das Angebot von Religionsunterricht und den Besuch religiöser Feiern durch Minderjährige. An zahlreichen Kirchentüren finden sich Hinweisschilder, die den Eintritt von Kindern und Jugendlichen untersagen und die man hierzulande eher von Spielotheken kennt. Überwachungskameras ermöglichen, unterstützt durch modernste Technik, eine weitgehende Kontrolle solcher und anderer staatlicher Vorschriften. Auch die Übertragung religiöser Feiern in sozialen Medien wird nahezu vollständig unterbunden. Zugleich müssen seit 2025 Bischöfe, Priester und Ordensleute ihre Reisepässe abgeben und erhalten diese nur für genehmigte Auslandsreisen zurück. Man versucht so, die Kirche in China international zu isolieren.
Angesichts solch massiver Einschränkungen der Religionsfreiheit wundert es, dass das Thema hierzulande in Politik und Gesellschaft nicht mehr Aufmerksamkeit erhält. Könnte es sein, dass die politischen und wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China mittlerweile zu groß sind, als dass man es wagen könnte, derartige Missstände offen anzusprechen und daraus Konsequenzen zu ziehen? Falls dem so ist, hätte die chinesische Führung das erreicht, was sie bezweckt. Es ist daher an der Zeit, strategisch darüber nachzudenken, wie wir die Freiheit zurückerhalten, unsere Schwestern und Brüder in China nachdrücklich zu unterstützen.
Titelbild: Ein Verbotsschild in der evangelischen Kirche von Shamian in der südchinesischen Metropole Kanton mit der Aufschrift "Teilnahme Minderjähriger an den religiösen Aktivitäten unerwünscht".
Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.
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